Facharzt/-ärztin der Psychiatrie und Psychotherapie
Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie erkennen und behandeln psychische Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen, Suchterkrankungen oder Angststörungen, mit Gesprächen, Psychotherapie und Medikamenten. Sie arbeiten in Kliniken, Ambulanzen und eigenen Praxen.
34 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Facharzt/-ärztin der Psychiatrie und Psychotherapie verdient
7.900 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 6.700 bis 13.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 6.700 € | 7.000 € | 7.400 € | 84.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 7.300 € | 7.900 € | 8.600 € | 94.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 8.500 € | 9.800 € | 13.000 € | 117.600 € |
In kommunalen Kliniken gilt der TV-Ärzte/VKA, an Unikliniken der TV-Ärzte/TdL; die Vergütung steigt dort nach festen Stufen, Bereitschaftsdienste werden zusätzlich bezahlt und machen oft einen spürbaren Teil des Einkommens aus. Bei privaten und kirchlichen Trägern gelten Haustarife oder AVR, und in der eigenen Praxis hängt das Einkommen vor allem von Patientenzahl, Privatanteil und Praxiskosten ab.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Facharzt oder eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie?
Im Mittelpunkt steht das Gespräch. Psychiaterinnen und Psychiater erheben den psychischen Befund, fragen nach Lebensgeschichte, Suizidgedanken und Suchtmittelkonsum und stellen eine Diagnose. Weil psychische Symptome auch körperliche Ursachen haben können, gehören körperliche und neurologische Untersuchungen, Blutwerte, EEG und die Anordnung von Bildgebung dazu. Anders als psychologische Psychotherapeuten verordnen sie Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Mittel zum Entzug und überwachen deren Wirkung und Nebenwirkungen. Daneben führen sie Psychotherapie im Einzel- oder Gruppensetting durch. In der Klinik leiten sie Stationsteams aus Pflege, Psychologie, Sozialarbeit und Ergotherapie, schreiben Arztbriefe und Gutachten und entscheiden in Notfällen, etwa bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung, auch über Unterbringungen gegen den Willen der Betroffenen.
Wie wird man Facharzt oder Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium von gut sechs Jahren mit Staatsexamen und Approbation. Danach folgt die Facharztweiterbildung von mindestens fünf Jahren als Assistenzärztin oder Assistenzarzt an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte. Sie umfasst stationäre Psychiatrie, einen Abschnitt in der Neurologie sowie eine strukturierte Psychotherapieausbildung mit Theorie, Selbsterfahrung und supervidierten Behandlungsfällen, die oft privat bezahlt und neben dem Klinikdienst absolviert wird. Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Landesärztekammer. Ein Quereinstieg ohne Medizinstudium ist nicht möglich; Ärztinnen und Ärzte aus anderen Fachgebieten können aber wechseln und sich Teile ihrer Weiterbildung anrechnen lassen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich wenig anstrengend, seelisch aber fordernd. Wer täglich mit Suizidalität, Gewalt, Missbrauchserfahrungen und schweren Krankheitsverläufen zu tun hat, braucht Abgrenzung und regelmäßige Supervision. Auf geschlossenen Stationen und in der Notaufnahme kommt es zu aggressiven Situationen. Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen oder Behandlungen gegen den Willen sind rechtlich streng geregelt und belasten viele Ärztinnen und Ärzte. In Kliniken gehören Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste zum Alltag, die Dokumentationspflichten sind umfangreich, und der Personalmangel in vielen Häusern führt zu hoher Arbeitsdichte. Fortschritte zeigen sich oft langsam, Rückfälle sind häufig. In der eigenen Praxis fallen die Nachtdienste weg, dafür kommen wirtschaftliche Verantwortung, Budgetvorgaben der Kassen und lange Wartelisten hinzu.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt. Psychische Erkrankungen werden häufiger diagnostiziert, viele psychiatrische Kliniken suchen Fach- und Oberärzte, und in ländlichen Regionen fehlen niedergelassene Psychiaterinnen und Psychiater. Die Aussichten auf eine Stelle sind daher sehr gut. Entwicklungswege führen zur Oberärztin oder zum Chefarzt, in eine eigene Kassenpraxis, in eine Institutsambulanz oder ein Medizinisches Versorgungszentrum. Möglich sind Spezialisierungen etwa in Suchtmedizin, Gerontopsychiatrie oder forensischer Psychiatrie, die Tätigkeit als Gutachterin für Gerichte und Versicherungen sowie Forschung und Lehre an Universitätskliniken. Eine zusätzliche Facharztqualifikation in psychosomatischer Medizin oder Neurologie erweitert das Spektrum.
Aufgaben
- Psychopathologische Befunde erheben und Diagnosen stellen
- Körperliche und neurologische Untersuchungen durchführen und Labor, EEG oder Bildgebung anordnen
- Psychopharmaka verordnen und Wirkung sowie Nebenwirkungen überwachen
- Einzel- und Gruppenpsychotherapie durchführen
- Akute Krisen und Suizidgefahr einschätzen und Notfälle versorgen
- Behandlungsteams aus Pflege, Psychologie und Sozialarbeit anleiten
- Arztbriefe, Unterbringungsanträge und Gutachten verfassen
- Angehörige beraten und Nachbehandlung organisieren
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation
- Facharztanerkennung der Landesärztekammer nach mindestens fünfjähriger Weiterbildung
- Psychotherapeutische Qualifikation mit Selbsterfahrung und Supervision
- Psychische Belastbarkeit und Fähigkeit zur Abgrenzung
- Gesprächsführung, Geduld und Ruhe in Konfliktsituationen
- Kenntnisse im Betreuungs- und Unterbringungsrecht
- Sehr gute Deutschkenntnisse, da Diagnostik und Therapie über Sprache laufen
Wo man arbeitet
- Psychiatrische Fachkliniken und psychiatrische Abteilungen in Allgemeinkrankenhäusern
- Universitätskliniken
- Psychiatrische Institutsambulanzen und Medizinische Versorgungszentren
- Eigene Praxis oder Gemeinschaftspraxis
- Maßregelvollzug und Justizvollzugsanstalten
- Gesundheitsämter und sozialpsychiatrische Dienste
Der Weg in den Beruf
Nach einem gut sechsjährigen Medizinstudium mit Staatsexamen und Approbation folgt eine mindestens fünfjährige Facharztweiterbildung in Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie. Sie endet mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer, insgesamt dauert der Weg also rund zwölf Jahre.
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