Facharzt/-ärztin Orthopädie/Unfallchirurgie Schmerztherapie
Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie behandeln Menschen mit chronischen Schmerzen am Bewegungsapparat, etwa an Rücken, Gelenken oder nach Unfällen. Sie verbinden konservative und interventionelle Orthopädie mit multimodaler Schmerztherapie.
17 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Facharzt/-ärztin Orthopädie/Unfallchirurgie Schmerztherapie verdient
8.000 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 6.500 bis 16.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 6.500 € | 7.000 € | 7.800 € | 84.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 7.300 € | 8.000 € | 9.500 € | 96.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 8.800 € | 10.500 € | 16.000 € | 126.000 € |
In Kliniken richtet sich das Gehalt nach dem TV-Ärzte/VKA, an Unikliniken nach dem TV-Ärzte (TdL) und bei kirchlichen Trägern nach den AVR; Bereitschaftsdienste und Oberarzt- oder Chefarztverträge erhöhen es deutlich. In der Niederlassung hängt das Einkommen stark von Praxisgröße, Privatpatientenanteil und den Abrechnungsregeln der Kassenärztlichen Vereinigung ab und kann weit über oder unter den Klinikwerten liegen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schmerztherapie?
Im Mittelpunkt stehen Patientinnen und Patienten, deren Schmerzen nicht mehr als kurzfristiges Warnsignal funktionieren, sondern sich verselbstständigt haben: chronische Rückenschmerzen, Arthrose, Schmerzen nach Operationen oder Knochenbrüchen, Nervenschäden, komplexe regionale Schmerzsyndrome. Der Arbeitstag besteht aus ausführlichen Erstgesprächen, körperlicher Untersuchung, der Auswertung von Röntgen-, MRT- und CT-Bildern und dem Ausfüllen standardisierter Schmerzfragebögen. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, der Medikamente einstellt und Opioide überwacht, Infiltrationen, Nervenblockaden oder Facettengelenksbehandlungen unter Bildwandler- oder Ultraschallkontrolle vorsieht und Physiotherapie, Bewegungstraining und psychologische Begleitung einbindet. In Kliniken leiten diese Ärztinnen und Ärzte häufig multimodale Schmerzprogramme und moderieren interdisziplinäre Schmerzkonferenzen mit Psychologie, Physiotherapie und Anästhesie. Wer zusätzlich unfallchirurgisch tätig bleibt, operiert weiter, versorgt Verletzte in der Notaufnahme und übernimmt Dienste. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Dokumentation, Arztbriefe, Gutachten für Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft und Anträge an Krankenkassen.
Wie wird man Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schmerztherapie?
Der Weg ist lang. Am Anfang steht ein Medizinstudium von mindestens sechs Jahren mit Staatsexamen und Approbation. Danach folgt die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, die nach der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern 72 Monate dauert und an zugelassenen Weiterbildungsstätten absolviert wird, meist in Kliniken mit Notaufnahme und OP-Betrieb. Sie endet mit einer Prüfung vor der Ärztekammer. Die Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie setzt die Facharztanerkennung voraus und umfasst einen Kurs sowie in der Regel zwölf Monate Tätigkeit bei einer weiterbildungsbefugten Person, gefolgt von einer weiteren Prüfung. Insgesamt vergehen vom Studienbeginn bis zur Zusatzbezeichnung meist dreizehn bis fünfzehn Jahre. Ein Quereinstieg ohne Medizinstudium ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Chronische Schmerzpatienten sind oft lange Leidenswege gewohnt, haben viele Ärzte gesehen und sind enttäuscht. Die Gespräche brauchen Geduld, und schnelle Erfolge sind selten. Dazu gehört, Erwartungen zu begrenzen, Wünsche nach weiteren Operationen oder höheren Opioiddosen auch abzulehnen und mit Frust, Depression oder sozialen Konflikten umzugehen. In der Klinik kommen Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste hinzu, vor allem solange unfallchirurgische Aufgaben bestehen. Operieren und Röntgen-gestützte Eingriffe bedeuten langes Stehen und Strahlenschutz. Die Bürokratie ist umfangreich: Betäubungsmittelrecht, Qualitätssicherungsvereinbarungen der Kassenärztlichen Vereinigung und Gutachten kosten Zeit. Wer sich niederlässt, trägt wirtschaftliches Risiko, Personalverantwortung und muss mit Budgets und Abrechnungsregeln arbeiten.
Aussichten
Der Bedarf wächst. Eine älter werdende Bevölkerung, häufige Rückenleiden und lange Wartezeiten auf schmerztherapeutische Termine sorgen dafür, dass qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte gesucht werden, besonders außerhalb der Großstädte. Die Zahl der Ärzte mit der Zusatzbezeichnung reicht nach Einschätzung der Fachgesellschaften für die Versorgung nicht aus. Entwicklungswege führen in der Klinik zur Oberarzt- oder Chefarztposition, etwa als Leitung einer Schmerzambulanz oder einer Abteilung für konservative Orthopädie. Alternativ bieten sich die Niederlassung in eigener Praxis, die Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum, Reha-Kliniken oder eine Gutachtertätigkeit an. Die Krankenhausreform kann Abteilungen zusammenlegen und Stellen verschieben, an der grundsätzlichen Nachfrage ändert das wenig.
Aufgaben
- Schmerzanamnese erheben und Patienten orthopädisch untersuchen
- Röntgen-, MRT- und CT-Befunde auswerten
- Schmerzmedikation einschließlich Opioiden einstellen und überwachen
- Infiltrationen und Nervenblockaden unter Bildgebung durchführen
- Multimodale Schmerztherapieprogramme planen und leiten
- An interdisziplinären Schmerzkonferenzen teilnehmen
- Gutachten, Arztbriefe und Kassenanträge erstellen
- Unfallverletzte versorgen und operieren, sofern unfallchirurgisch tätig
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium und ärztliche Approbation
- Facharztanerkennung Orthopädie und Unfallchirurgie
- Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie der Landesärztekammer
- Geduld und Gesprächsführung bei langwierigen, belasteten Krankheitsverläufen
- Manuelles Geschick für Injektionen und operative Eingriffe
- Körperliche Belastbarkeit für langes Stehen und Dienste
- Bereitschaft zur regelmäßigen Fortbildung
Wo man arbeitet
- Krankenhäuser und Universitätskliniken
- Schmerzambulanzen und Schmerzzentren
- Orthopädische Facharztpraxen
- Medizinische Versorgungszentren
- Rehabilitationskliniken
- Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken
Der Weg in den Beruf
Nach einem mindestens sechsjährigen Medizinstudium mit Approbation folgt eine 72-monatige Facharztweiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie mit Prüfung vor der Ärztekammer. Darauf baut die Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie mit Kurs und in der Regel zwölf Monaten Weiterbildungszeit auf, die ebenfalls mit einer Kammerprüfung abschließt.
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