Oberarzt Orthopädie und Unfallchirurgie
Oberärztinnen und Oberärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sind Fachärzte mit Leitungsverantwortung in einer Klinikabteilung. Sie operieren Verletzungen und Verschleißerkrankungen des Bewegungsapparats, beaufsichtigen Assistenzärzte und tragen im Dienst die medizinische Verantwortung für die Abteilung.
5 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Oberarzt Orthopädie und Unfallchirurgie verdient
9.500 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 8.500 bis 13.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 8.500 € | 8.800 € | 9.200 € | 105.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 9.000 € | 9.500 € | 10.000 € | 114.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 10.000 € | 11.000 € | 13.000 € | 132.000 € |
An kommunalen Häusern gilt der TV-Ärzte/VKA, an Unikliniken der TV-Ärzte/TdL, beide mit fester Entgeltgruppe Ä3 für Oberärzte und Ä4 für leitende Oberärzte; private Klinikketten haben eigene, teils höhere Haustarife. Deutlich mehr als das Grundgehalt bringen Bereitschafts- und Rufdienste, Poolbeteiligung an Privatliquidationen und D-Arzt-Tätigkeit, die hier nicht eingerechnet sind.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Frühbesprechung, in der die Fälle der Nacht, Röntgen- und CT-Bilder sowie das OP-Programm durchgegangen werden. Danach steht ein Großteil der Zeit im Operationssaal: Hüft- und Knieprothesen einsetzen, Brüche mit Platten, Nägeln oder Schrauben versorgen, Arthroskopien an Knie und Schulter durchführen, Wirbelsäulenverletzungen stabilisieren. Bei komplexen Eingriffen operiert der Oberarzt selbst, bei Routineeingriffen assistiert er Assistenzärzten und leitet sie an. Dazu kommen Visiten auf der Station, Sprechstunden für die OP-Planung, Aufklärungsgespräche mit Patienten und die Arbeit im Schockraum, wenn Schwerverletzte eingeliefert werden. Ein spürbarer Teil des Tages entfällt auf Dokumentation, Arztbriefe, Kodierung und Abstimmung mit Pflege, Physiotherapie und Sozialdienst. Im Hintergrunddienst ist der Oberarzt nachts und am Wochenende telefonisch erreichbar und kommt bei Notfällen in die Klinik.
Wie wird man Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?
Der Weg ist lang. Am Anfang steht das Medizinstudium mit sechs Jahren und drei Monaten Regelstudienzeit und der Approbation. Darauf folgt die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, die mindestens sechs Jahre dauert, in der Praxis oft länger, weil bestimmte Eingriffszahlen erreicht werden müssen. Sie endet mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer. Oberarzt wird man nicht durch eine Prüfung, sondern durch Ernennung durch die Klinik, häufig nach einigen Jahren als Facharzt. Zusatzbezeichnungen wie Spezielle Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie oder Notfallmedizin verbessern die Chancen deutlich. Ein Quereinstieg ist ausgeschlossen; Ärzte aus dem Ausland brauchen eine Anerkennung ihrer Approbation und Facharztqualifikation sowie Deutschkenntnisse auf Fachsprachniveau.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Operationen dauern oft mehrere Stunden im Stehen, teils unter Röntgenschürze, und verlangen Kraft beim Reponieren von Brüchen und beim Implantieren von Prothesen. Die Arbeitszeiten gehen über die reguläre Woche hinaus: Hintergrund- und Bereitschaftsdienste, Wochenenden und Feiertage gehören dazu, Überstunden sind in vielen Häusern üblich. Der Oberarzt steht zwischen Chefarzt, Assistenzärzten, Pflege und Verwaltung und muss wirtschaftliche Vorgaben, Personalmangel und Patientensicherheit gegeneinander abwägen. Komplikationen, Haftungsfragen und Gespräche mit Angehörigen nach schweren Unfällen sind eine psychische Belastung. Hinzu kommt ein hoher Dokumentations- und Bürokratieaufwand, der als Zeitverlust gegenüber der eigentlichen Patientenarbeit empfunden wird.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch. Eine älter werdende Bevölkerung braucht mehr Gelenkersatz und mehr Versorgung von Stürzen und Brüchen, viele Kliniken suchen erfahrene Fachärzte. Gleichzeitig verändert die Krankenhausreform die Landschaft: Eingriffe werden an größeren Zentren gebündelt, kleine Häuser verlieren Abteilungen. Wer in einem zertifizierten Traumazentrum oder Endoprothetikzentrum arbeitet, ist gut aufgestellt. Entwicklungswege führen zum leitenden Oberarzt, zur Chefarztposition, in die Niederlassung mit eigener Praxis oder in ein medizinisches Versorgungszentrum, als Durchgangsarzt für die Berufsgenossenschaften oder in die Gutachtertätigkeit. An Universitätskliniken ist zusätzlich eine Habilitation für weitere Karriereschritte üblich.
Aufgaben
- Gelenkprothesen, Osteosynthesen und Arthroskopien durchführen
- Assistenzärzte im OP anleiten und ihre Weiterbildung begleiten
- Röntgen-, CT- und MRT-Bilder befunden und Therapien festlegen
- Schwerverletzte im Schockraum erstversorgen
- Visiten auf der Station leiten und Behandlungspläne abstimmen
- Patienten über Eingriffe und Risiken aufklären
- Hintergrunddienste übernehmen und nachts Notfälle entscheiden
- Arztbriefe, OP-Berichte und Gutachten erstellen
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium mit deutscher Approbation
- Facharztanerkennung für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Mehrjährige Operationserfahrung, oft Zusatzbezeichnung wie Spezielle Unfallchirurgie
- Körperliche Belastbarkeit für lange Operationen im Stehen
- Entscheidungsfähigkeit unter Zeitdruck in Notfällen
- Führungs- und Kommunikationsfähigkeit im Team
- Bereitschaft zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten
Wo man arbeitet
- Kommunale und freigemeinnützige Krankenhäuser
- Universitätskliniken
- Private Klinikketten
- BG-Kliniken der Unfallversicherung
- Orthopädische Fachkliniken
- Bundeswehrkrankenhäuser
Der Weg in den Beruf
Nach dem rund sechsjährigen Medizinstudium und der Approbation folgt eine mindestens sechsjährige Weiterbildung im Krankenhaus, die mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer endet. Zum Oberarzt wird man anschließend nach einigen Jahren Facharzterfahrung von der Klinik ernannt, insgesamt meist 13 bis 16 Jahre nach Studienbeginn.
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