Was macht ein Speditionskaufmann im Seefracht-Import?
Im Seefracht-Import beginnt die Arbeit oft Wochen bevor ein Schiff in Hamburg, Bremerhaven oder Rotterdam festmacht. Speditionskaufleute erhalten von Partnern in Asien, Amerika oder Afrika die Versanddaten, prüfen Konnossemente, Handelsrechnungen und Packlisten und gleichen ab, ob Ware, Papiere und Auftrag zusammenpassen. Sie verfolgen die Ankunftszeiten der Schiffe, melden die Container bei Reederei und Terminal an und sorgen dafür, dass sie freigestellt werden. Ein großer Teil der Arbeit betrifft den Zoll: Einfuhranmeldungen im System ATLAS erstellen, Zolltarifnummern prüfen, Einfuhrabgaben berechnen und Rückfragen der Zollbehörde beantworten. Danach wird der Nachlauf organisiert, also der Transport per Lkw, Bahn oder Binnenschiff zum Kunden. Dazu kommen Kalkulation, Angebote, Rechnungsprüfung und viel Kommunikation, häufig auf Englisch, per E-Mail und Telefon.
Wie wird man Speditionskaufmann im Seefracht-Import?
Der übliche Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung. Die Spezialisierung auf Seefracht-Import erfolgt meist im Ausbildungsbetrieb oder in den ersten Berufsjahren. Mit Abitur oder guten Leistungen lässt sich die Ausbildung verkürzen. Quereinstiege gelingen Menschen mit einer anderen kaufmännischen Ausbildung, etwa im Groß- und Außenhandel, oder mit Erfahrung im Zollwesen. Wer aufsteigen will, kann sich zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik weiterbilden, Zolllehrgänge belegen oder ein Logistikstudium anschließen.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist Büroarbeit am Bildschirm, aber selten ruhig. Schiffe verspäten sich, Container werden vom Zoll zur Beschau gezogen, Dokumente fehlen. Jeder Tag Verzögerung kann Standgelder bei Reederei und Terminal auslösen, die am Ende jemand bezahlen muss. Entsprechend hoch ist der Zeitdruck, und Fehler bei Zollanmeldungen können teuer werden oder rechtliche Folgen haben. Gefordert sind Sorgfalt bei Zahlen und Papieren, gutes Englisch und die Fähigkeit, mehrere Sendungen gleichzeitig im Blick zu behalten. Die Arbeitszeiten sind meist regulär im Tagdienst, bei Engpässen oder nach Störungen in den Lieferketten fallen aber Überstunden an. Der Ton mit Kunden, Fahrern und Partnern im Ausland ist oft direkt, Konflikte über Kosten und Verzögerungen gehören dazu.
Aussichten
Speditionen und Reedereiagenturen suchen seit Jahren Fachkräfte, besonders solche mit Zollkenntnissen. Wer Einfuhrabfertigung sicher beherrscht, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Die Stellen konzentrieren sich auf Hafenstädte und große Logistikstandorte, es gibt sie aber auch im Binnenland bei Speditionen mit Überseeabteilung. Die Digitalisierung übernimmt zunehmend Routineaufgaben wie Sendungsverfolgung und Datenerfassung, die Klärung von Problemfällen und die Beratung bleiben jedoch Handarbeit. Entwicklungswege führen zur Teamleitung, in den Vertrieb, ins Key-Account-Management, zum Zollbeauftragten oder in die Einkaufs- und Logistikabteilungen von Importunternehmen.