Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin
Die Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin führt einen betriebsärztlichen Dienst, verantwortet die arbeitsmedizinische Betreuung eines Unternehmens oder vieler Kundenbetriebe und leitet ein Team aus Betriebsärztinnen, Betriebsärzten und medizinischem Assistenzpersonal.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin verdient
11.000 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 8.000 bis 17.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 8.000 € | 9.500 € | 11.500 € | 114.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 9.000 € | 11.000 € | 13.500 € | 132.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 10.500 € | 13.000 € | 17.000 € | 156.000 € |
Am meisten hängt das Gehalt vom Arbeitgeber ab: Werksärztliche Leitungen in Großunternehmen der Chemie-, Auto- oder Energiebranche werden meist außertariflich und am höchsten bezahlt, überbetriebliche Dienste zahlen spürbar weniger. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach TVöD oder TV-L, an Universitätskliniken nach dem TV-Ärzte der Länder.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin?
Die Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin steht an der Spitze eines werksärztlichen Dienstes in einem Großunternehmen, eines überbetrieblichen arbeitsmedizinischen Dienstes oder einer arbeitsmedizinischen Abteilung im öffentlichen Dienst. Sie legt fest, wie Vorsorgen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ablaufen, welche Untersuchungsstandards gelten und wie die Betreuung nach Arbeitssicherheitsgesetz und DGUV Vorschrift 2 organisiert wird. Ein großer Teil der Arbeit ist Führung: Personal einplanen, Betriebsärztinnen und Assistenzkräfte einarbeiten, Fachfragen im Team klären, Budgets verantworten. Dazu kommt eigene ärztliche Tätigkeit, etwa Vorsorgegespräche, Eignungsuntersuchungen, Impfungen, Beratung bei Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsplatzbegehungen. Die Leitung sitzt im Arbeitsschutzausschuss, berät Geschäftsführung und Betriebsrat, wirkt beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement mit und entwickelt Programme zur Gesundheitsförderung. In überbetrieblichen Diensten gehören Kundengespräche, Angebote und Qualitätsmanagement dazu.
Wie wird man Ärztliche Leitung Arbeitsmedizin?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium von gut sechs Jahren mit Approbation. Danach folgt die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Arbeitsmedizin, die nach der Musterweiterbildungsordnung 60 Monate dauert, davon ein Teil in der unmittelbaren Patientenversorgung, etwa in der Inneren oder Allgemeinmedizin, sowie ein Kurs über 360 Stunden. Fachärztinnen und Fachärzte anderer Gebiete können über die Zusatzweiterbildung Betriebsmedizin in die Arbeitsmedizin wechseln; für Leitungsstellen verlangen viele Arbeitgeber dennoch den Facharzttitel. In die Leitung kommt man in der Regel erst nach mehreren Jahren als Betriebsärztin oder Betriebsarzt, oft über eine Stellvertretung oder die Leitung eines Standorts. Kenntnisse in Personalführung, Qualitätsmanagement und Arbeitsschutzrecht werden erwartet und häufig berufsbegleitend erworben.
Was der Beruf verlangt
Im Vergleich zur Klinik sind die Arbeitszeiten geregelt: Nacht- und Wochenenddienste fallen kaum an, Teilzeit ist leichter umsetzbar. Dafür besteht die Arbeit zu einem großen Teil aus Verwaltung, Abstimmungen und Dokumentation, akute Medizin spielt kaum eine Rolle. Wer mehrere Standorte verantwortet, ist viel unterwegs. Die Stellung zwischen Arbeitgeber, Beschäftigten und Betriebsrat ist anspruchsvoll: Die ärztliche Schweigepflicht muss auch gegenüber der Unternehmensleitung gewahrt bleiben, und Empfehlungen zum Arbeitsschutz stoßen nicht immer auf Zustimmung. In überbetrieblichen Diensten kommen Kostendruck und knappe Einsatzzeiten hinzu, weil zu wenige Betriebsärzte für zu viele Betriebe zur Verfügung stehen. Fehlendes Personal muss die Leitung oft selbst auffangen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch. In der Arbeitsmedizin fehlen seit Jahren Fachkräfte, und ein großer Teil der Betriebsärztinnen und Betriebsärzte geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gesetzliche Betreuungspflichten für Betriebe bleiben bestehen, Themen wie psychische Belastung, alternde Belegschaften und Wiedereingliederung gewinnen an Gewicht. Leitungsstellen sind daher gut zu finden, oft mit Spielraum bei Arbeitszeit und Standort. Weitere Entwicklungsschritte sind die Leitung eines gesamten Gesundheitsmanagements, regionale oder bundesweite Leitung in einem überbetrieblichen Dienst, eine Tätigkeit als Gutachterin oder Gutachter oder die eigene Niederlassung mit betriebsärztlicher Praxis.
Aufgaben
- Team aus Betriebsärzten und arbeitsmedizinischen Assistenzkräften führen und einsetzen
- Standards für Vorsorge- und Eignungsuntersuchungen festlegen und überwachen
- Arbeitsmedizinische Vorsorgen, Impfungen und Beratungsgespräche selbst durchführen
- Geschäftsführung, Betriebsrat und Arbeitsschutzausschuss in Gesundheitsfragen beraten
- Bei Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsplatzbegehungen mitwirken
- Betriebliches Eingliederungsmanagement und Gesundheitsförderung mitgestalten
- Budget, Qualitätsmanagement und Dokumentation des Dienstes verantworten
- Kundenbetriebe betreuen und Betreuungsverträge verhandeln
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation
- Facharzt für Arbeitsmedizin oder Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin
- Mehrjährige Berufserfahrung als Betriebsärztin oder Betriebsarzt
- Führungserfahrung und Organisationsgeschick
- Sichere Kenntnisse in Arbeitsschutzrecht, ArbMedVV und DGUV-Regelwerk
- Verhandlungsgeschick zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft
- Führerschein und Reisebereitschaft bei mehreren Standorten
Wo man arbeitet
- Werksärztliche Dienste in Industrie- und Großunternehmen
- Überbetriebliche arbeitsmedizinische Dienste
- Öffentliche Verwaltung und Behörden
- Universitätskliniken und Krankenhauskonzerne
- Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger
Der Weg in den Beruf
Nach einem Medizinstudium von gut sechs Jahren mit Approbation folgt die 60-monatige Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin; Fachärzte anderer Gebiete können die Zusatzweiterbildung Betriebsmedizin absolvieren. Eine Leitungsfunktion übernimmt man meist nach mehreren Jahren Berufserfahrung in der betriebsärztlichen Betreuung.
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