Ärztlicher Psychotherapeut
Ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind Ärzte mit psychotherapeutischer Facharztweiterbildung. Sie behandeln psychische und psychosomatische Erkrankungen mit Gesprächstherapie und können, anders als psychologische Psychotherapeuten, auch Medikamente verordnen und körperliche Ursachen abklären.
11 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Ärztlicher Psychotherapeut verdient
7.300 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 5.300 bis 12.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 5.300 € | 5.700 € | 6.300 € | 68.400 € | |
| Mit Berufserfahrung | 6.200 € | 7.300 € | 8.500 € | 87.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 8.000 € | 9.500 € | 12.000 € | 114.000 € |
In kommunalen Kliniken gilt der TV-Ärzte/VKA, an Unikliniken der TV-Ärzte TdL, private Klinikketten haben eigene Haustarife; das Gehalt richtet sich dort nach Stufe (Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt) und Dienstjahren, Bereitschaftsdienste kommen hinzu. In der eigenen Praxis hängt das Einkommen von Kassensitz, Privatpatientenanteil und Auslastung ab und liegt oft unter dem anderer niedergelassener Fachärzte.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Ärztlicher Psychotherapeut?
Ärztliche Psychotherapeuten behandeln Menschen mit Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Traumafolgen, Essstörungen, Suchterkrankungen oder psychosomatischen Beschwerden wie chronischen Schmerzen ohne klaren organischen Befund. Der Arbeitstag besteht größtenteils aus Gesprächen: Erstgespräche führen, eine Diagnose stellen, einen Behandlungsplan erarbeiten und dann über Wochen oder Monate Therapiesitzungen von meist 50 Minuten abhalten. Dabei arbeiten sie nach einem anerkannten Verfahren, etwa Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierter oder analytischer Psychotherapie. Weil sie Ärzte sind, untersuchen sie auch körperlich, veranlassen Laborwerte oder ein EKG, verordnen Psychopharmaka und überwachen deren Nebenwirkungen. Hinzu kommen Dokumentation, Anträge an die Krankenkassen, Gutachten, Arztbriefe und Absprachen mit Hausärzten, Kliniken und Sozialdiensten. In der Klinik leiten sie oft auch Gruppentherapien und arbeiten mit Pflege, Psychologen und Fachtherapeuten im Team.
Wie wird man Ärztlicher Psychotherapeut?
Der Weg ist lang. Zuerst kommt das Medizinstudium mit sechs Jahren und drei Staatsexamen, danach die Approbation. Es folgt eine Facharztweiterbildung von fünf Jahren, entweder in Psychiatrie und Psychotherapie, in Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie oder in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Die Weiterbildung findet überwiegend angestellt in Kliniken statt und umfasst eigene Therapiestunden unter Supervision, Theorieseminare und Selbsterfahrung, die oft teilweise selbst bezahlt werden müssen. Ärzte anderer Fachrichtungen, etwa aus der Allgemeinmedizin oder Gynäkologie, können berufsbegleitend die Zusatzbezeichnung Psychotherapie erwerben und psychotherapeutisch im eigenen Fachgebiet arbeiten. Ein Quereinstieg ohne Medizinstudium ist nicht möglich; wer aus der Psychologie kommt, wird psychologischer Psychotherapeut, das ist ein eigener Beruf.
Was der Beruf verlangt
Die Belastung ist vor allem seelisch. Täglich hören Therapeuten von Gewalt, Missbrauch, Suizidgedanken und Verzweiflung, und sie müssen in Krisen schnell entscheiden, ob jemand akut gefährdet ist. Fortschritte sind oft langsam, Rückfälle gehören dazu. Ohne Supervision und eine gute Abgrenzung zum Privatleben droht Erschöpfung. In der Klinik, besonders in der Psychiatrie, kommen Nacht- und Wochenenddienste, Zwangseinweisungen und gelegentlich aggressive Patienten hinzu. Der Verwaltungsaufwand mit Kassenanträgen und Berichten ist hoch. Wer sich niederlässt, trägt das unternehmerische Risiko, braucht einen Kassensitz, der in vielen Städten nur gegen hohe Ablösesummen zu bekommen ist, und verdient im Vergleich zu anderen Fachärzten weniger, weil Gesprächszeit nicht beliebig vermehrbar ist. Dafür sind die Arbeitszeiten in der eigenen Praxis gut planbar.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt. Wartezeiten auf einen Therapieplatz betragen oft mehrere Monate, Kliniken suchen Fachärzte für Psychiatrie und Psychosomatik teils dringend, vor allem außerhalb der Großstädte. Nach der Weiterbildung bieten sich der Weg zum Oberarzt oder Chefarzt in einer Klinik, die Niederlassung in eigener Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum, die Arbeit in Reha-Kliniken, Gutachtertätigkeit für Gerichte und Versicherungen oder eine Tätigkeit als Dozent und Supervisor an Weiterbildungsinstituten. Teilzeitmodelle sind vergleichsweise gut umsetzbar.
Aufgaben
- Erstgespräche führen und psychische Erkrankungen diagnostizieren
- Einzel- und Gruppentherapiesitzungen nach einem anerkannten Verfahren durchführen
- Körperliche Ursachen abklären und Laborwerte oder EKG veranlassen
- Psychopharmaka verordnen und Wirkung sowie Nebenwirkungen überwachen
- Suizidalität einschätzen und in akuten Krisen intervenieren
- Therapieanträge, Berichte für Krankenkassen und Arztbriefe schreiben
- Mit Hausärzten, Kliniken, Pflege und Sozialdiensten Behandlungen abstimmen
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium und ärztliche Approbation
- Facharztanerkennung in Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie, alternativ die Zusatzbezeichnung Psychotherapie
- Belastbarkeit im Umgang mit schweren Schicksalen und Fähigkeit zur Abgrenzung
- Geduld, Zuhören und klare Gesprächsführung
- Bereitschaft zu Selbsterfahrung und regelmäßiger Supervision
- Sehr gute Deutschkenntnisse, da die Arbeit fast ausschließlich sprachlich erfolgt
Wo man arbeitet
- Psychiatrische und psychosomatische Kliniken
- Psychiatrische Abteilungen in Allgemeinkrankenhäusern
- Eigene Praxis oder Gemeinschaftspraxis
- Medizinische Versorgungszentren
- Reha-Kliniken
- Institutsambulanzen und Beratungsstellen
Der Weg in den Beruf
Nach einem sechsjährigen Medizinstudium mit Approbation folgt eine fünfjährige Facharztweiterbildung, meist angestellt in einer Klinik, die mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer endet. Insgesamt dauert der Weg also mindestens elf Jahre; Ärzte anderer Fachrichtungen können die Zusatzbezeichnung Psychotherapie berufsbegleitend in einigen Jahren erwerben.
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