Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Fachärztinnen und Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe untersuchen und behandeln Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und der Brust, betreuen Schwangerschaften und leiten Geburten. Sie arbeiten in Kliniken oder in eigener Praxis.
6 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe verdient
8.000 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 6.500 bis 16.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 6.500 € | 6.900 € | 7.500 € | 82.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 7.200 € | 8.000 € | 9.000 € | 96.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 8.800 € | 10.500 € | 16.000 € | 126.000 € |
In kommunalen Kliniken gilt der TV-Ärzte/VKA, in Unikliniken der TV-Ärzte TdL, bei privaten Trägern oft eigene Haustarife; Bereitschaftsdienste und Nachtzuschläge erhöhen das Einkommen spürbar, sind hier aber nicht eingerechnet. Niedergelassene Gynäkologen und Chefärzte verdienen sehr unterschiedlich, abhängig von Patientenzahl, Privatpatienten und Zusatzleistungen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe?
Der Alltag teilt sich in Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In der Praxis stehen Vorsorgeuntersuchungen im Mittelpunkt: Abstriche zur Krebsfrüherkennung nehmen, die Brust abtasten, Ultraschall der Gebärmutter und Eierstöcke machen, über Verhütung beraten und Rezepte ausstellen. Dazu kommen Beschwerden in den Wechseljahren, Infektionen, Zyklusstörungen und unerfüllter Kinderwunsch. In der Schwangerenvorsorge werden Mutterpass geführt, Ultraschallscreenings ausgewertet und Risiken erkannt. Im Krankenhaus operieren Gynäkologen, etwa bei Myomen, Endometriose, Eierstock- oder Brustkrebs, oft minimalinvasiv per Bauchspiegelung. Im Kreißsaal arbeiten sie mit Hebammen zusammen, überwachen Geburten mit dem CTG, greifen bei Komplikationen ein und führen Kaiserschnitte durch. Dokumentation, Arztbriefe und Aufklärungsgespräche nehmen einen großen Teil der Zeit ein.
Wie wird man Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium von gut sechs Jahren mit Approbation. Der Zugang zum Studium ist stark beschränkt; neben einem sehr guten Abitur zählen Medizinertest, Wartezeit oder Landarztquote. Danach folgt die Weiterbildung zum Facharzt, die mindestens 60 Monate dauert und überwiegend an einer Frauenklinik mit Weiterbildungsbefugnis absolviert wird. In dieser Zeit sammeln Assistenzärzte eine festgelegte Zahl an Operationen, Geburten und Ultraschalluntersuchungen. Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Landesärztekammer. Ein Quereinstieg ohne Medizinstudium ist nicht möglich. Ärztinnen aus anderen Fachrichtungen können sich Teile ihrer Weiterbildung anrechnen lassen.
Was der Beruf verlangt
In der Klinik gehören Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste fest zum Beruf, weil Geburten und Notfälle sich nicht planen lassen. Bereitschaftsdienste von 24 Stunden kommen vor, und in vielen Häusern ist die Personaldecke dünn. Geburtshilfe kann in Sekunden kippen: Eine Blutung, ein schlechtes CTG oder eine Notsectio verlangen schnelle Entscheidungen unter Druck. Totgeburten, Fehlgeburten, Krebsdiagnosen bei jungen Frauen und Schwangerschaftskonflikte sind seelisch belastend. Die Haftungsrisiken in der Geburtshilfe sind hoch, entsprechend teuer ist die Berufshaftpflicht für Belegärzte. Lange Operationen im Stehen fordern körperlich. Wichtig sind ein einfühlsamer Umgang mit sehr persönlichen Themen, sprachliche und kulturelle Sensibilität und die Fähigkeit, auch nach einer schwierigen Nacht konzentriert zu bleiben. Wer sich niederlässt, trägt zusätzlich unternehmerische Verantwortung für Personal, Abrechnung und Investitionen.
Aussichten
Fachärzte für Frauenheilkunde werden gesucht, besonders in ländlichen Regionen und in kleineren Kliniken. Zugleich schließen bundesweit Geburtsstationen, weil sie sich wirtschaftlich schwer tragen; Geburten konzentrieren sich auf größere Zentren. Viele Praxisinhaber gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, was Chancen für die Übernahme eines Kassensitzes bietet. Im Krankenhaus führt der Weg über die Oberarztstelle bis zur Chefärztin. Zusätzliche Schwerpunkte wie gynäkologische Onkologie, spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin oder gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin öffnen spezialisierte Stellen, etwa in Brustzentren, Perinatalzentren oder Kinderwunschpraxen. Auch Anstellungen in Medizinischen Versorgungszentren mit planbaren Arbeitszeiten werden häufiger.
Aufgaben
- Krebsfrüherkennung mit Abstrich, Tastuntersuchung und Ultraschall durchführen
- Schwangere in der Vorsorge betreuen und Ultraschallscreenings auswerten
- Geburten überwachen und bei Komplikationen eingreifen
- Kaiserschnitte und gynäkologische Operationen durchführen
- Zu Verhütung, Kinderwunsch und Wechseljahren beraten
- Diagnosen besprechen und über Eingriffe aufklären
- Befunde dokumentieren und Arztbriefe schreiben
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation
- Facharztanerkennung der Landesärztekammer nach mindestens fünf Jahren Weiterbildung
- Bereitschaft zu Nacht- und Wochenenddiensten im Klinikbetrieb
- Entscheidungsfähigkeit in Notfällen und unter Zeitdruck
- Einfühlungsvermögen bei intimen und belastenden Themen
- Handwerkliches Geschick für Operationen und Ultraschall
- Körperliche Belastbarkeit bei langen Eingriffen im Stehen
Wo man arbeitet
- Frauenkliniken in Krankenhäusern
- Perinatalzentren und Brustzentren
- Gynäkologische Praxen
- Medizinische Versorgungszentren
- Kinderwunschzentren
- Universitätskliniken
Der Weg in den Beruf
Nach einem Medizinstudium von rund sechs Jahren und der Approbation folgt eine mindestens 60-monatige Weiterbildung an einer Frauenklinik. Sie endet mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer, insgesamt dauert der Weg also etwa elf bis zwölf Jahre.
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