Facharzt Kinder- und Jugendmedizin
Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin untersuchen, behandeln und begleiten Menschen vom Neugeborenen bis zum Ende des Jugendalters, in der Klinik oder in der eigenen Praxis. Der Weg dorthin führt über ein Medizinstudium und eine fünfjährige Weiterbildung.
86 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Facharzt Kinder- und Jugendmedizin verdient
7.900 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 6.400 bis 13.500 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 6.400 € | 6.900 € | 7.500 € | 82.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 7.200 € | 7.900 € | 8.800 € | 94.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 8.500 € | 10.000 € | 13.500 € | 120.000 € |
In Kliniken richtet sich das Gehalt meist nach dem TV-Ärzte/VKA für kommunale Häuser oder dem TV-Ärzte/TdL für Unikliniken, private Träger wie Helios oder Asklepios haben eigene Tarifverträge; Bereitschaftsdienste kommen als Zuschlag hinzu. Niedergelassene Kinderärzte verdienen je nach Patientenzahl, Lage und Privatpatientenanteil sehr unterschiedlich, Oberarzt- und Chefarztpositionen liegen deutlich über den Facharztstufen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin?
In der Kinderarztpraxis besteht der Alltag zu einem großen Teil aus Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur J2, Impfungen und der Behandlung von Infekten, Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautausschlägen. Dazu kommen chronisch kranke Kinder mit Asthma, Neurodermitis, Diabetes oder ADHS, die über Jahre begleitet werden. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist das Gespräch mit den Eltern: Befunde erklären, Sorgen einordnen, Medikamentengaben in kindgerechter Dosierung besprechen. In der Klinik versorgen Kinderärzte schwerer erkrankte Kinder auf Station, in der Notaufnahme und auf der Neugeborenen- oder Kinderintensivstation. Sie legen Zugänge bei sehr kleinen Venen, werten Laborwerte und Ultraschallbefunde aus, betreuen Frühgeborene und stehen bei Geburten bereit. Auch der Kinderschutz gehört dazu: Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung erkennen, dokumentieren und mit Jugendamt und Fachstellen zusammenarbeiten.
Wie wird man Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium von mindestens sechs Jahren und drei Monaten mit Staatsexamen und die Approbation als Arzt. Darauf folgt die Weiterbildung nach der Ordnung der jeweiligen Landesärztekammer. Sie dauert 60 Monate und wird überwiegend in Kinderkliniken absolviert, ein Teil kann in einer Praxis stattfinden. Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Ärztekammer. Danach sind Schwerpunkte wie Neonatologie, Kinderkardiologie, Neuropädiatrie oder Kinder-Hämatologie und -Onkologie möglich, die weitere Jahre dauern. Einen Quereinstieg ohne Medizinstudium gibt es nicht. Ärztinnen und Ärzte aus anderen Fachrichtungen können wechseln, bekommen aber nur Teile ihrer bisherigen Weiterbildung angerechnet.
Was der Beruf verlangt
In der Klinik gehören Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste zum Alltag, oft mit langen Arbeitstagen. In den Infektwellen im Herbst und Winter, etwa bei RSV oder Grippe, sind Kinderstationen regelmäßig überbelegt, und Betten fehlen, weil Pflegepersonal fehlt. Kinder können Beschwerden oft nicht beschreiben, Säuglinge verschlechtern sich schnell, Fehler in der Dosierung wiegen schwer. Belastend sind schwere Verläufe, Todesfälle und Fälle von Gewalt gegen Kinder. Hinzu kommt der Umgang mit besorgten, manchmal fordernden Eltern, der viel Geduld und klare Kommunikation verlangt. In der Praxis sind die Wartezimmer in der Infektsaison voll, die Zahl der Patientinnen und Patienten pro Tag ist hoch, und Bürokratie wie Atteste, Bescheinigungen und Abrechnung nimmt Zeit in Anspruch. Wer eine eigene Praxis übernimmt, trägt zudem unternehmerisches Risiko.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch. In vielen Regionen, besonders in ländlichen Gegenden und in einigen Stadtteilen, finden Familien nur schwer eine Kinderarztpraxis, und zahlreiche Praxisinhaber gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Kliniken suchen ebenfalls Fachärzte, auch wenn kleinere Kinderabteilungen aus wirtschaftlichen Gründen zusammengelegt oder geschlossen werden. Die Pädiatrie gilt im Krankenhaus als schlecht vergütet, was Druck auf die Abteilungen erzeugt. Entwicklungswege führen zur Oberärztin oder zum Chefarzt, in die Niederlassung als Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, in die Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum, in ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder in den öffentlichen Gesundheitsdienst, etwa für Schuleingangsuntersuchungen. Eine Spezialisierung über einen Schwerpunkt öffnet Stellen an Universitäts- und Perinatalzentren.
Aufgaben
- Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur J2 durchführen
- Kinder nach Impfplan der STIKO impfen
- Infekte, Allergien und chronische Erkrankungen diagnostizieren und behandeln
- Medikamente nach Gewicht und Alter dosieren
- Neugeborene und Frühgeborene auf Station oder bei Geburten versorgen
- Eltern über Befunde, Therapie und Pflege zu Hause beraten
- Hinweise auf Misshandlung oder Entwicklungsstörungen erkennen und weiterleiten
- Befunde, Arztbriefe und Atteste schreiben
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium und Approbation als Arzt
- Fünfjährige Weiterbildung mit Facharztprüfung vor der Ärztekammer
- Geduld und Einfühlungsvermögen im Umgang mit Kindern und Eltern
- Bereitschaft zu Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdiensten
- Belastbarkeit bei Notfällen und schweren Krankheitsverläufen
- Sehr gute Deutschkenntnisse, bei ausländischen Abschlüssen Fachsprachprüfung
Wo man arbeitet
- Kinderklinik oder Kinderabteilung eines Krankenhauses
- Kinder- und Jugendarztpraxis
- Medizinisches Versorgungszentrum
- Sozialpädiatrisches Zentrum
- Gesundheitsamt im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
- Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche
Der Weg in den Beruf
Nach einem Medizinstudium von mindestens sechs Jahren und drei Monaten und der Approbation folgt eine 60-monatige Weiterbildung, überwiegend an einer Kinderklinik. Sie endet mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer, insgesamt dauert der Weg also rund elf bis zwölf Jahre.
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