Kinderphysiotherapeut
Kinderphysiotherapeutinnen und -therapeuten behandeln Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerungen, neurologischen Erkrankungen, Fehlhaltungen oder nach Verletzungen. Sie sind ausgebildete Physiotherapeuten mit einer Spezialisierung auf die Pädiatrie.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Kinderphysiotherapeut verdient
3.200 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 2.500 bis 4.500 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.500 € | 2.800 € | 3.200 € | 33.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.800 € | 3.200 € | 3.700 € | 38.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.300 € | 3.800 € | 4.500 € | 45.600 € |
Am stärksten hängt das Gehalt davon ab, ob in einer meist nicht tarifgebundenen Praxis oder in Klinik, Sozialpädiatrischem Zentrum oder Frühförderstelle gearbeitet wird, wo häufig nach TVöD, TV-L oder kirchlichen Regelungen wie den AVR Caritas oder AVR Diakonie bezahlt wird. Eine Bobath- oder Vojta-Zertifizierung verbessert die Verhandlungsposition, weil damit höher vergütete Leistungen abgerechnet werden können.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Kinderphysiotherapeut?
Kinderphysiotherapeuten arbeiten mit Patienten vom Frühgeborenen bis zum Jugendlichen. Typische Anlässe sind motorische Entwicklungsverzögerungen, Asymmetrien und Schiefhals bei Säuglingen, Zerebralparese, genetische Syndrome, Muskelerkrankungen, Skoliose, Haltungsschwächen, Fußfehlstellungen oder die Nachbehandlung nach Operationen und Unfällen. Zu Beginn steht die Befundung: Haltung, Bewegungsmuster, Muskelspannung und Reflexe beobachten und mit dem altersgerechten Entwicklungsstand vergleichen. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, häufig nach neurophysiologischen Konzepten wie Bobath oder Vojta. Die Behandlung selbst findet oft auf der Matte, am Ball oder im Spiel statt, weil kleine Kinder Übungen nicht auf Anweisung ausführen. Ein großer Teil der Arbeit richtet sich an die Eltern: Handling im Alltag zeigen, Übungen für zu Hause anleiten, Hilfsmittel wie Orthesen oder Rollstühle mit Sanitätshäusern abstimmen. Dazu kommen Dokumentation, Berichte an Kinderärzte und Absprachen mit Ergotherapie, Logopädie und Kita oder Schule.
Wie wird man Kinderphysiotherapeut?
Grundlage ist die dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten an einer Berufsfachschule mit staatlicher Prüfung, alternativ ein primärqualifizierendes oder ausbildungsbegleitendes Bachelorstudium. An privaten Schulen fällt teils noch Schulgeld an, viele Bundesländer haben es inzwischen abgeschafft oder übernehmen es. Die Spezialisierung auf Kinder erfolgt danach über Weiterbildungen, vor allem den Bobath-Kurs für Kinder oder die Vojta-Ausbildung. Diese Kurse dauern mehrere Monate, kosten oft mehrere tausend Euro und setzen meist Berufserfahrung voraus. Erst mit dem Zertifikat dürfen bestimmte Leistungen für Kinder mit neurologischen Erkrankungen bei den Krankenkassen abgerechnet werden. Ein Quereinstieg ohne Physiotherapieausbildung ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich: viel Knien, Bücken und Arbeiten auf dem Boden, Heben und Halten von Kindern, die nicht stillhalten. Rücken und Knie werden über die Jahre stark beansprucht. Gefordert sind Geduld, Fantasie und die Fähigkeit, ein weinendes Kleinkind oder einen unmotivierten Teenager für die Therapie zu gewinnen. Emotional belastend sind schwere oder fortschreitende Erkrankungen und Eltern unter großem Druck, die hohe Erwartungen an die Therapie haben. In Praxen ist der Takt eng, Behandlungen sind kurz getaktet und die Dokumentation läuft oft unbezahlt nebenher. Termine liegen häufig am Nachmittag, weil Kinder vormittags in Kita oder Schule sind. Hausbesuche und Einsätze in Kitas oder Förderschulen bedeuten Fahrzeiten. Die teuren Weiterbildungen werden nicht immer vom Arbeitgeber getragen, und das Gehalt bleibt im Verhältnis zur Verantwortung niedrig.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch, in vielen Regionen warten Familien monatelang auf einen Therapieplatz. Speziell ausgebildete Fachkräfte für Kinder sind knapp, Bewerber mit Bobath- oder Vojta-Zertifikat finden in der Regel schnell eine Stelle. Entwicklungswege sind die Leitung einer Therapieabteilung, die Arbeit in einem Sozialpädiatrischen Zentrum, die Tätigkeit als Kursinstruktor für Bobath oder Vojta, ein Masterstudium oder die Gründung einer eigenen Praxis mit Kinderschwerpunkt. Auch Lehrtätigkeit an Physiotherapieschulen ist möglich.
Aufgaben
- Motorischen Entwicklungsstand von Säuglingen und Kindern befunden
- Behandlungen nach Bobath oder Vojta durchführen
- Übungen spielerisch in die Therapie einbauen
- Eltern im Handling und in Übungen für zu Hause anleiten
- Hilfsmittelversorgung mit Ärzten und Sanitätshäusern abstimmen
- Therapieverlauf dokumentieren und Berichte an Kinderärzte schreiben
- Mit Ergotherapie, Logopädie, Kita und Schule zusammenarbeiten
- Hausbesuche und Behandlungen in Förder- oder Kindereinrichtungen übernehmen
Voraussetzungen
- Staatlich anerkannter Abschluss als Physiotherapeut oder entsprechendes Bachelorstudium
- Zertifizierte Weiterbildung in Bobath für Kinder oder Vojta
- Kenntnisse der kindlichen Entwicklung und neurologischer Krankheitsbilder
- Geduld, Einfühlungsvermögen und spielerischer Umgang mit Kindern
- Körperliche Belastbarkeit, besonders für Arbeit auf dem Boden und Heben
- Gesprächsführung mit Eltern in belastenden Situationen
- Führerschein für Hausbesuche, je nach Stelle
Wo man arbeitet
- Physiotherapiepraxen mit pädiatrischem Schwerpunkt
- Kinderkliniken und Kinderabteilungen von Krankenhäusern
- Sozialpädiatrische Zentren
- Frühförderstellen
- Förderschulen und heilpädagogische Kitas
- Rehabilitationskliniken für Kinder und Jugendliche
Der Weg in den Beruf
Zunächst wird die dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten mit staatlicher Prüfung oder ein Bachelorstudium in Physiotherapie abgeschlossen. Danach folgt eine mehrmonatige, berufsbegleitende Weiterbildung in Bobath für Kinder oder Vojta, die mit einem Zertifikat endet und meist erste Berufserfahrung voraussetzt.
Offene Stellen als Kinderphysiotherapeut
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Kinderphysiotherapeut (m/w/d)
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