Neueröffnung
„Neueröffnung“ ist keine Berufsbezeichnung. Gemeint ist hier, wer einen eigenen Handwerks- oder Produktionsbetrieb neu gründet und eröffnet, meist als Meisterin oder Meister mit eigener Werkstatt.
5 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Neueröffnung verdient
4.200 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 1.500 bis 11.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 1.500 € | 2.800 € | 5.000 € | 33.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.500 € | 4.200 € | 7.500 € | 50.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.500 € | 5.500 € | 11.000 € | 66.000 € |
Als Inhaber gibt es kein Gehalt und keinen Tarifvertrag, sondern einen schwankenden Gewinn vor Steuern und Sozialversicherung, der hier als Monatswert umgerechnet ist. Er hängt am stärksten vom Gewerk, von der Auftragslage, der Zahl der Mitarbeitenden und der Höhe der Kreditbelastung ab; in den ersten Jahren liegt er oft unter dem Lohn eines angestellten Meisters.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Gründerin oder ein Gründer im Handwerk?
Wer einen Handwerksbetrieb neu eröffnet, arbeitet in zwei Rollen zugleich: im eigenen Gewerk und als Unternehmer. In den Monaten vor der Eröffnung stehen Businessplan, Bankgespräche, Förderanträge, die Suche nach Werkstatt oder Ladenfläche, der Kauf von Maschinen und Fahrzeugen sowie Anmeldungen bei Gewerbeamt, Handwerkskammer, Finanzamt, Berufsgenossenschaft und Krankenkasse an. Nach der Eröffnung kommen Kundenakquise, Angebote kalkulieren, Material bestellen, Aufträge ausführen, Rechnungen schreiben und offene Forderungen eintreiben dazu. In den ersten Jahren arbeiten die meisten Gründer selbst auf der Baustelle, in der Backstube oder an der Werkbank mit, weil Personal noch fehlt oder zu teuer ist. Abends und am Wochenende folgen Buchhaltung, Dokumentation und Planung.
Wie wird man Gründer im Handwerk?
Der übliche Weg führt über eine dreijährige Ausbildung im Gewerk, einige Jahre als Geselle und die Meisterprüfung. In den zulassungspflichtigen Handwerken, etwa Elektrotechnik, Dachdecken, Friseur oder Bäcker, ist der Meistertitel oder eine gleichwertige Qualifikation Voraussetzung für die Eintragung in die Handwerksrolle. Ausnahmen gibt es über die Altgesellenregelung, bei der langjährige Berufserfahrung mit leitender Tätigkeit anerkannt wird, sowie für Ingenieure und Techniker mit passender Fachrichtung. In zulassungsfreien Handwerken wie Fotografie oder Maßschneiderei genügt die Gewerbeanmeldung. Die Meistervorbereitung lässt sich über das Aufstiegs-BAföG finanzieren, mehrere Bundesländer zahlen Meister- oder Gründungsprämien. Die Handwerkskammern bieten kostenlose Gründungsberatung an. Neben der Neugründung ist die Übernahme eines bestehenden Betriebs ein häufiger Weg, weil viele Inhaber ohne Nachfolger in Rente gehen.
Was der Beruf verlangt
Die Belastung ist hoch und das Risiko liegt beim Gründer selbst. Wochen mit 50 bis 60 Stunden sind in der Anfangszeit normal, Urlaub ist knapp. Ein festes Einkommen gibt es nicht: Bleiben Aufträge aus oder zahlen Kunden spät, wird es schnell eng, während Miete, Leasingraten und Kreditzinsen weiterlaufen. Für Werkstatt, Maschinen und Fahrzeuge fallen oft Investitionen im fünf- bis sechsstelligen Bereich an, häufig über Kredite und mit persönlicher Haftung. Hinzu kommen Bürokratie, Vorschriften zu Arbeitsschutz und Gewährleistung sowie die Verantwortung für Angestellte und Auszubildende. Körperlich bleibt die Arbeit so hart wie im jeweiligen Gewerk. Schwer fällt vielen die kaufmännische Seite, für die die Meisterschule nur Grundlagen vermittelt. Eine finanzielle Rücklage und Rückhalt in der Familie sind keine Nebensache.
Aussichten
Die Nachfrage nach Handwerksleistungen ist in vielen Gewerken hoch, besonders in Sanitär-, Heizungs- und Elektrotechnik, im Ausbau und bei energetischer Sanierung. Wartezeiten für Kunden sind dort lang, was den Einstieg erleichtert. Das größte Hindernis für Wachstum ist der Fachkräftemangel: Gesellen zu finden ist oft schwieriger als Aufträge. Gleichzeitig suchen viele Betriebe einen Nachfolger, sodass eine Übernahme mit vorhandenem Kundenstamm eine Alternative zur Gründung aus dem Nichts sein kann. Wer den Betrieb über die ersten Jahre bringt, kann ihn vergrößern, ausbilden, sich spezialisieren oder in der Handwerkskammer und in Prüfungsausschüssen mitwirken.
Aufgaben
- Businessplan schreiben und Finanzierung mit Bank und Förderstellen klären
- Betrieb bei Gewerbeamt, Handwerkskammer und Finanzamt anmelden
- Werkstatt, Maschinen und Fahrzeuge beschaffen
- Angebote kalkulieren und Aufträge akquirieren
- Aufträge im eigenen Gewerk selbst ausführen
- Rechnungen schreiben, Buchhaltung führen und Zahlungseingänge überwachen
- Mitarbeitende und Auszubildende einstellen und anleiten
Voraussetzungen
- Gesellenbrief und mehrjährige Berufserfahrung im Gewerk
- Meisterbrief oder gleichwertige Qualifikation in zulassungspflichtigen Handwerken
- Kaufmännische Grundkenntnisse in Kalkulation, Buchhaltung und Steuern
- Startkapital oder Zugang zu Krediten und Fördermitteln
- Belastbarkeit bei langen Arbeitszeiten und unsicherem Einkommen
- Körperliche Eignung für das jeweilige Gewerk
Wo man arbeitet
- Eigener Handwerksbetrieb mit Werkstatt
- Ladengeschäft mit Werkstatt, etwa Bäckerei oder Friseursalon
- Baustellen und Kundenhaushalte
- Büro im eigenen Betrieb oder zu Hause
Der Weg in den Beruf
Üblich sind eine dreijährige duale Ausbildung, einige Jahre als Geselle und die Meisterprüfung, die in Vollzeit etwa ein Jahr und berufsbegleitend zwei bis drei Jahre dauert. Danach folgen Eintragung in die Handwerksrolle und Gewerbeanmeldung. Gründungsberatung der Handwerkskammer und Aufstiegs-BAföG erleichtern den Schritt.
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