Verlesekraft
Verlesekräfte sortieren in der Lebensmittelverarbeitung Obst, Gemüse, Kartoffeln, Nüsse oder Kräuter von Hand. Am Band entfernen sie faule, beschädigte oder falsch gewachsene Ware sowie Fremdkörper wie Steine, Blätter und Holzstücke.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Verlesekraft verdient
2.400 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 2.200 bis 3.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.200 € | 2.300 € | 2.500 € | 27.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.250 € | 2.400 € | 2.650 € | 28.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 2.400 € | 2.650 € | 3.000 € | 31.800 € |
Das Gehalt liegt meist am gesetzlichen Mindestlohn oder knapp darüber; in Betrieben mit Tarifbindung gelten regionale Tarifverträge der Obst- und Gemüseverarbeitenden Industrie mit der NGG, in der Zeitarbeit das Tarifwerk von GVP und DGB. Spürbar mehr bringen vor allem Nacht- und Wochenendzuschläge sowie der Wechsel in eine Vorarbeiterrolle.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Verlesekraft?
Verlesekräfte stehen oder sitzen an einem Verleseband, über das Rohware läuft: Äpfel, Erdbeeren, Kartoffeln, Möhren, Spinat, Bohnen, Nüsse, getrocknete Kräuter oder Hülsenfrüchte. Sie greifen alles heraus, was nicht in die weitere Verarbeitung oder in die Packung gehört. Dazu zählen faule und angeschlagene Stücke, zu kleine oder verformte Ware, Stiele, Blätter, Steine, Erdklumpen, Glas, Plastik und Insekten. Je nach Betrieb sortieren sie zusätzlich nach Größe oder Güteklasse, legen Ware in Kisten oder Schalen, wiegen ab und kontrollieren Etiketten. Die Arbeit folgt dem Takt der Anlage. Fällt viel Ausschuss an, melden Verlesekräfte das an die Schichtleitung, die dann die Bandgeschwindigkeit anpasst oder die Charge sperrt. Zur Arbeit gehören auch das Reinigen des Arbeitsplatzes und das Einhalten der Hygieneregeln, also Händewaschen, Haarnetz, Schutzkleidung und das Dokumentieren von Fremdkörperfunden.
Wie wird man Verlesekraft?
Eine Ausbildung gibt es für diese Tätigkeit nicht. Es handelt sich um eine Helfertätigkeit, in die man nach einer kurzen Einweisung am ersten Arbeitstag einsteigt. Ein Schulabschluss wird meist nicht verlangt, Deutschkenntnisse auf einfachem Niveau reichen in vielen Betrieben aus, weil die Arbeit gezeigt wird. Pflicht ist die Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, die das Gesundheitsamt oder ein beauftragter Arzt durchführt. Viele Stellen werden über Zeitarbeitsfirmen oder als Saisonarbeit vergeben, etwa während der Ernte von Spargel, Erdbeeren, Äpfeln oder Kartoffeln. Wer sich weiterentwickeln will, kann in der Lebensmittelindustrie eine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik oder zur Maschinen- und Anlagenführerin anschließen, teilweise auch berufsbegleitend.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist eintönig und verlangt trotzdem ständige Aufmerksamkeit. Stundenlang auf ein laufendes Band zu schauen, ermüdet die Augen und den Kopf. Wer Fehlware übersieht, riskiert Reklamationen, deshalb wird die Qualität stichprobenartig geprüft. Körperlich belastet vor allem das lange Stehen in derselben Haltung, dazu kommen wiederholte Handbewegungen, die Schultern, Nacken und Handgelenke beanspruchen. Viele Hallen sind kühl oder feucht, in der Tiefkühl- und Frischeverarbeitung liegen die Temperaturen oft nur wenige Grad über null. Lärm von Förderbändern und Maschinen ist üblich. Gearbeitet wird häufig im Schichtdienst, in der Saison auch am Wochenende und mit Überstunden. Befristete Verträge und Zeitarbeit sind verbreitet, was die Planbarkeit erschwert. Wer Allergien gegen bestimmte Pflanzen oder Staub hat, sollte das vor Arbeitsbeginn klären.
Aussichten
Trotz Kamerasystemen und optischer Sortiertechnik bleibt Handverlesung in vielen Betrieben nötig, weil Maschinen nicht jeden Fehler erkennen, besonders bei empfindlicher oder unregelmäßig geformter Ware. Arbeitskräfte werden vor allem saisonal und in ländlichen Regionen mit Obst- und Gemüseanbau gesucht. Gleichzeitig ersetzen moderne Sortieranlagen nach und nach einfache Sortierschritte, sodass langfristig weniger Stellen zu erwarten sind. Die Bezahlung liegt meist am gesetzlichen Mindestlohn oder knapp darüber. Aufstiegschancen bieten sich als Vorarbeiterin am Band, in der Qualitätskontrolle oder über eine anerkannte Ausbildung in der Lebensmittelherstellung.
Aufgaben
- Obst, Gemüse oder Kräuter auf dem Verleseband auf Fäulnis und Schäden prüfen
- Fremdkörper wie Steine, Glas, Plastik und Insekten herausgreifen
- Ware nach Größe, Form oder Güteklasse sortieren
- Sortierte Ware in Kisten, Schalen oder Säcke füllen und abwiegen
- Ungewöhnlich hohen Ausschuss oder Fremdkörperfunde an die Schichtleitung melden
- Arbeitsplatz und Band nach Hygieneplan reinigen
Voraussetzungen
- Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz
- Gutes Sehvermögen und Konzentration über lange Zeit
- Belastbarkeit für langes Stehen und gleichförmige Handbewegungen
- Unempfindlichkeit gegenüber Kälte, Feuchtigkeit und Lärm
- Bereitschaft zu Schichtarbeit und Saisonspitzen
- Sorgfalt im Umgang mit Hygieneregeln
Wo man arbeitet
- Obst- und Gemüseverarbeitende Betriebe
- Tiefkühlkost- und Konservenhersteller
- Kartoffelverarbeitung und Packstationen
- Erzeugergenossenschaften und landwirtschaftliche Großbetriebe
- Hersteller von Tee, Gewürzen, Nüssen und Trockenfrüchten
- Zeitarbeitsfirmen
Der Weg in den Beruf
Eine Ausbildung ist nicht erforderlich, die Einarbeitung dauert wenige Stunden bis Tage direkt am Band. Vorausgesetzt wird die Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz. Eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik ist der übliche Weg, um später besser bezahlte Aufgaben zu übernehmen.
Offene Stellen als Verlesekraft
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