Wirtschaftsinformatiker
Wirtschaftsinformatiker verbinden betriebswirtschaftliche Abläufe mit Informationstechnik. Sie analysieren Geschäftsprozesse, wählen Software aus, passen sie an und begleiten ihre Einführung in Unternehmen.
22 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Wirtschaftsinformatiker verdient
5.400 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 3.800 bis 8.500 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.800 € | 4.400 € | 5.200 € | 52.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.600 € | 5.400 € | 6.500 € | 64.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.800 € | 6.800 € | 8.500 € | 81.600 € |
Das Gehalt hängt am stärksten von der Branche und der Betriebsgröße ab. Konzerne, Banken und die Beratung zahlen deutlich mehr als kleine Betriebe und der Handel. In der Metall- und Elektroindustrie gilt oft der Tarifvertrag der IG Metall. Im öffentlichen Dienst wird nach TVöD oder TV-L meist in den Entgeltgruppen E10 bis E13 bezahlt, das ist sicherer, aber niedriger als in der Privatwirtschaft.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Wirtschaftsinformatiker?
Wirtschaftsinformatiker arbeiten an der Stelle, an der Fachabteilungen und IT aufeinandertreffen. Typisch ist folgender Ablauf: Eine Einkaufsabteilung will Bestellungen schneller freigeben. Der Wirtschaftsinformatiker spricht mit den Beteiligten, zeichnet den bisherigen Ablauf auf, findet Medienbrüche und doppelte Eingaben und beschreibt, was eine Software leisten muss. Danach konfiguriert er ein ERP-System wie SAP, schreibt Anforderungen für Entwickler, testet Änderungen und schult die Anwender. Andere Schwerpunkte sind Datenanalyse und Berichtswesen, bei denen mit SQL und Werkzeugen wie Power BI Kennzahlen für das Controlling aufbereitet werden, sowie IT-Projektleitung, IT-Controlling oder Informationssicherheit. Programmiert wird je nach Stelle viel, wenig oder gar nicht. Einen großen Teil des Tages füllen Abstimmungen, Workshops, Dokumentation und Tickets.
Wie wird man Wirtschaftsinformatiker?
Der übliche Weg ist ein Bachelorstudium der Wirtschaftsinformatik an einer Universität oder Fachhochschule. Es dauert meist sechs bis sieben Semester und umfasst Programmierung, Datenbanken, Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Statistik und Prozessmodellierung. Beliebt sind duale Studiengänge, bei denen von Anfang an ein Gehalt gezahlt wird und Praxiserfahrung entsteht. Ein Master ist für Beratung, Forschung oder spätere Führungsaufgaben verbreitet, für viele Stellen aber nicht nötig. Ohne Studium führt eine zweijährige Weiterbildung zum staatlich geprüften Wirtschaftsinformatiker an einer Fachschule in das Berufsfeld. Sie setzt in der Regel eine kaufmännische oder IT-Ausbildung und Berufserfahrung voraus. Quereinsteiger aus BWL oder Informatik gelangen oft über SAP-Zertifizierungen oder Erfahrung als Key-User in einer Fachabteilung in den Beruf.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet fast vollständig am Bildschirm statt und ist körperlich wenig belastend. Die Belastung entsteht durch Termindruck und widersprüchliche Erwartungen. Fachabteilungen wollen schnelle Lösungen, die IT will stabile Systeme, und der Wirtschaftsinformatiker vermittelt zwischen beiden. Bei Systemumstellungen, Jahresabschlüssen oder Go-Live-Terminen kommen Überstunden und gelegentlich Wochenendarbeit vor. In der Beratung sind Reisen zu Kunden üblich, oft von Montag bis Donnerstag. Wer ungern erklärt, verhandelt oder Rückfragen von Anwendern beantwortet, tut sich schwer. Ebenso schwer fällt die Arbeit, wenn kein Interesse an kaufmännischen Abläufen besteht. Technik und Software ändern sich ständig, daher gehört Weiterlernen dauerhaft zum Beruf. Homeoffice ist in vielen Unternehmen weit verbreitet.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Unternehmen digitalisieren Prozesse, und viele müssen in den nächsten Jahren auf neue ERP-Versionen wie SAP S/4HANA umstellen. Gleichzeitig ist der Einstieg ohne Praktika oder Werkstudentenerfahrung schwieriger geworden als vor einigen Jahren, und der Markt reagiert auf Konjunkturschwankungen. Wer zeitweise keine Stelle findet, muss sich auf Absagen einstellen. Weitere Entwicklungsmöglichkeiten sind die Fachrichtungen Datenanalyse, IT-Architektur, Informationssicherheit oder SAP-Beratung. Möglich ist auch der Wechsel in die Projektleitung, die Teamleitung oder bis zur IT-Leitung. Erfahrene Berater machen sich häufig als Freiberufler selbstständig.
Aufgaben
- Geschäftsprozesse in Fachabteilungen aufnehmen und modellieren
- Anforderungen an Software in Lastenheften und Tickets beschreiben
- ERP-Systeme wie SAP konfigurieren und anpassen
- Datenbanken abfragen und Berichte für das Controlling erstellen
- Softwareänderungen testen und Fehler mit Entwicklern klären
- Anwender schulen und bei Problemen unterstützen
- IT-Projekte planen, Termine und Budgets überwachen
Voraussetzungen
- Bachelorabschluss in Wirtschaftsinformatik oder Abschluss als staatlich geprüfter Wirtschaftsinformatiker
- Grundkenntnisse in Programmierung und SQL
- Verständnis für betriebswirtschaftliche Abläufe wie Einkauf, Vertrieb und Rechnungswesen
- Fähigkeit, technische Sachverhalte für Nicht-Techniker verständlich zu erklären
- Gute Englischkenntnisse für Dokumentation und internationale Teams
- Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung
Wo man arbeitet
- IT- und Unternehmensberatungen
- Industrieunternehmen
- Banken und Versicherungen
- Softwarehersteller
- Handels- und Logistikunternehmen
- Öffentliche Verwaltung
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelorstudium der Wirtschaftsinformatik mit sechs bis sieben Semestern, auch als duales Studium, mit dem Abschluss Bachelor of Science. Alternativ führt eine zweijährige Fachschulweiterbildung nach einer Berufsausbildung zum Abschluss staatlich geprüfter Wirtschaftsinformatiker. Ein anschließender Master dauert drei bis vier Semester.
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