Arbeitserzieher
Arbeitserzieher leiten Menschen mit Behinderung, psychischer Erkrankung oder schwierigen Lebenslagen bei handwerklicher und produktiver Arbeit an und fördern so ihre berufliche und persönliche Entwicklung. Der Beruf verbindet eine handwerkliche oder technische Erstausbildung mit pädagogischer Arbeit.
6 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Arbeitserzieher verdient
3.750 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 2.900 bis 5.000 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.900 € | 3.350 € | 3.700 € | 40.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.300 € | 3.750 € | 4.200 € | 45.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.800 € | 4.300 € | 5.000 € | 51.600 € |
Entscheidend ist, ob der Träger tarifgebunden ist: Kommunale Einrichtungen zahlen nach TVöD Sozial- und Erziehungsdienst, kirchliche nach AVR Caritas oder AVR Diakonie, während viele freie Werkstätten eigene, oft niedrigere Haustarife haben. Im Justizvollzug wird meist verbeamtet im Werkdienst, Leitungsfunktionen bringen die größten Sprünge.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Arbeitserzieher?
Arbeitserzieher arbeiten dort, wo Arbeit nicht nur Produktion ist, sondern Mittel zur Förderung. Die meisten sind in Werkstätten für behinderte Menschen tätig und leiten dort eine Arbeitsgruppe, etwa in der Montage, der Holzbearbeitung, der Wäscherei oder im Garten- und Landschaftsbau. Sie planen Arbeitsabläufe so, dass jeder Beschäftigte eine passende Aufgabe hat, zerlegen komplizierte Arbeitsschritte in einfache Teilschritte, bauen Vorrichtungen und Hilfsmittel und achten auf Arbeitssicherheit. Gleichzeitig beobachten sie, wie sich die Einzelnen entwickeln, führen Gespräche, schreiben Förderpläne und Entwicklungsberichte und stimmen sich mit Sozialdienst, Angehörigen und gesetzlichen Betreuern ab. Weil Werkstätten Aufträge von Firmen erfüllen, gehört auch Termin- und Qualitätsdruck dazu. Weitere Einsatzfelder sind Justizvollzugsanstalten, psychiatrische Kliniken, Berufsbildungswerke, Jugendhilfeeinrichtungen und Projekte für Langzeitarbeitslose.
Wie wird man Arbeitserzieher?
Arbeitserzieher ist eine Weiterbildung an einer Fachschule für Sozialwesen, kein Einstiegsberuf für Schulabgänger. Vorausgesetzt werden in der Regel ein mittlerer Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung, meist im Handwerk, in der Industrie, der Landwirtschaft oder der Hauswirtschaft, oft zusätzlich Berufserfahrung. Die Ausbildung dauert in Vollzeit zwei Jahre, berufsbegleitend drei bis vier Jahre, und schließt mit der staatlichen Anerkennung ab. Viele steigen über eine Stelle als Gruppenhelfer oder als Fachkraft ohne pädagogische Qualifikation in einer Werkstatt ein und machen die Weiterbildung nebenbei. Ein naher Weg ist die kürzere Qualifikation zur geprüften Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung. Damit ist der Beruf typisch für Umsteiger, die ihr Handwerk behalten, aber mit Menschen arbeiten wollen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit verlangt zwei Dinge zugleich: fachliches Können in der Werkstatt und Geduld im Umgang mit Menschen, die langsamer arbeiten, Aufgaben vergessen oder in Krisen geraten. Herausforderndes Verhalten, Aggression oder Rückzug kommen vor, im Strafvollzug und in der Psychiatrie häufiger. Fortschritte sind oft klein und brauchen lange. Die Dokumentation nimmt spürbar Zeit in Anspruch und wird gern unterschätzt. Körperlich ist die Arbeit je nach Bereich mittel bis anstrengend, mit viel Stehen und Heben. Die Arbeitszeiten sind in Werkstätten meist regelmäßig tagsüber ohne Wochenenddienst, was den Beruf von vielen Pflege- und Erziehungsberufen unterscheidet. In Kliniken und im Vollzug können Schichtdienste anfallen. Wer vorher im Handwerk besser verdient hat, muss mit einem Gehalt rechnen, das nicht immer höher liegt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil. Werkstätten, Inklusionsbetriebe und Träger der beruflichen Rehabilitation suchen regelmäßig Fachkräfte mit pädagogischer Qualifikation, auch weil gesetzliche Vorgaben einen Mindestanteil vorschreiben. Der Fachkräftemangel im Sozialbereich macht den Einstieg leichter, bedeutet aber in manchen Einrichtungen auch größere Gruppen. Entwicklungswege führen zur Gruppen- oder Bereichsleitung, in den begleitenden Dienst, in die Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt oder bis zur Werkstattleitung. Mit Fachhochschulreife ist ein Studium der Sozialen Arbeit oder der Heilpädagogik möglich.
Aufgaben
- Arbeitsgruppen in Werkstatt, Montage oder Gartenbau anleiten
- Arbeitsschritte in einfache Teilschritte zerlegen und Hilfsmittel bauen
- Förderpläne erstellen und Entwicklungsberichte schreiben
- Aufträge planen und Termine sowie Qualität sicherstellen
- Arbeitssicherheit und Unfallschutz in der Gruppe überwachen
- Gespräche mit Beschäftigten, Angehörigen und Betreuern führen
- Mit Sozialdienst und Fachdiensten Maßnahmen abstimmen
- Praktika und Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt begleiten
Voraussetzungen
- Mittlerer Schulabschluss
- Abgeschlossene Berufsausbildung, meist handwerklich oder technisch
- Häufig Berufserfahrung im erlernten Beruf
- Geduld, Gelassenheit und Freude an der Arbeit mit Menschen
- Organisationsgeschick und Bereitschaft zur schriftlichen Dokumentation
- Körperliche Belastbarkeit je nach Arbeitsbereich
- Erweitertes Führungszeugnis
Wo man arbeitet
- Werkstätten für behinderte Menschen
- Justizvollzugsanstalten
- Psychiatrische Kliniken und Tagesstätten
- Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke
- Einrichtungen der Jugendhilfe
- Beschäftigungsprojekte für Langzeitarbeitslose
Der Weg in den Beruf
Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung und meist etwas Berufspraxis folgt eine Weiterbildung an einer Fachschule für Sozialwesen. Sie dauert in Vollzeit zwei Jahre, berufsbegleitend drei bis vier Jahre, und endet mit dem Abschluss staatlich anerkannter Arbeitserzieher.
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