Diplom-Finanzwirt
Diplom-Finanzwirtinnen und Diplom-Finanzwirte sind Beamte im gehobenen Dienst der Steuer- oder Zollverwaltung. Sie prüfen Steuererklärungen, setzen Steuern fest, führen Betriebsprüfungen durch oder treiben Steuerschulden ein.
7 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Diplom-Finanzwirt verdient
4.400 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 3.300 bis 6.200 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.300 € | 3.600 € | 3.900 € | 43.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.900 € | 4.400 € | 4.900 € | 52.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.800 € | 5.400 € | 6.200 € | 64.800 € |
Es gibt keinen Tarifvertrag, die Bezahlung richtet sich nach dem Besoldungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes oder beim Zoll nach dem Bundesbesoldungsgesetz, mit Einstieg in A 9 und Beförderungen bis A 13; entscheidend sind Bundesland, Besoldungsgruppe und Erfahrungsstufe. Als Beamte zahlen Diplom-Finanzwirte keine Renten- und Arbeitslosenversicherung, müssen sich aber privat krankenversichern, wobei die Beihilfe einen Teil der Kosten trägt.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Diplom-Finanzwirt?
Die meisten Diplom-Finanzwirte arbeiten in einem Finanzamt eines Bundeslandes. In der Veranlagung prüfen sie Einkommensteuer-, Umsatzsteuer- oder Gewerbesteuererklärungen, gleichen Angaben mit Belegen und elektronisch übermittelten Daten ab, fragen bei Unklarheiten nach und erlassen die Steuerbescheide. In der Rechtsbehelfsstelle bearbeiten sie Einsprüche gegen Bescheide und begründen Entscheidungen schriftlich. Als Betriebsprüfer sind sie im Außendienst bei Unternehmen, sehen Buchhaltung und Verträge durch und klären strittige Sachverhalte mit Geschäftsführung und Steuerberatern. Weitere Einsatzfelder sind die Vollstreckung, die Steuerfahndung, die Bußgeld- und Strafsachenstelle sowie die Lohnsteuer-Außenprüfung. Beim Zoll, der ebenfalls Diplom-Finanzwirte ausbildet, geht es um Zölle, Verbrauchsteuern, Kontrolle von Schwarzarbeit oder die Ermittlung im Zollfahndungsdienst. Mit wachsender Erfahrung übernehmen viele die Leitung eines Sachgebiets.
Wie wird man Diplom-Finanzwirt?
Der Weg führt über ein dreijähriges duales Studium für den gehobenen Dienst, das die Steuerverwaltungen der Länder oder der Bund für den Zoll anbieten. Voraussetzung ist in der Regel die Fachhochschulreife oder das Abitur. Theoriephasen an einer verwaltungsinternen Hochschule für Finanzen wechseln sich mit Praxisphasen im Finanzamt oder Hauptzollamt ab. Inhalte sind Steuerrecht, Abgabenordnung, Buchführung, Bilanzierung, Zivil- und Verwaltungsrecht. Während des Studiums sind die Anwärter Beamte auf Widerruf und erhalten Anwärterbezüge. Am Ende steht die Laufbahnprüfung mit dem Abschluss Diplom-Finanzwirt (FH). Ein Quereinstieg ohne dieses Studium ist selten; einige Länder stellen Absolventen wirtschafts- oder rechtswissenschaftlicher Studiengänge als Tarifbeschäftigte oder über verkürzte Einführungszeiten ein.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet überwiegend am Schreibtisch statt und besteht aus dem genauen Lesen von Gesetzen, Erklärungen und Unterlagen. Das Studium ist dicht und prüfungslastig, ein Teil der Anwärter scheitert an den Klausuren. Steuerrecht ändert sich laufend, ständiges Nachlernen gehört dazu. Viele Finanzämter sind knapp besetzt, die Fallzahlen pro Person sind hoch und Fristen erzeugen Druck. Im Kontakt mit Steuerpflichtigen kommt es zu Konflikten, besonders in Vollstreckung und Prüfung, wo Nachforderungen durchgesetzt werden müssen. Die Umstellung auf digitale Verfahren bringt Erleichterung, aber auch Phasen mit fehleranfälliger Software. Dagegen stehen geregelte Arbeitszeiten mit Gleitzeit, gute Teilzeitmöglichkeiten und in vielen Ländern Homeoffice. Wer verbeamtet ist, muss mit Versetzungen innerhalb des Dienstbereichs rechnen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch, weil in den kommenden Jahren viele Beschäftigte der Finanzverwaltung in den Ruhestand gehen. Die Länder stellen deshalb verstärkt ein, die Übernahmechancen nach bestandener Prüfung sind gut. Beförderungen innerhalb des gehobenen Dienstes folgen Dienstalter, Beurteilungen und freien Stellen und können je nach Land unterschiedlich lange dauern. Über einen Aufstieg ist der höhere Dienst erreichbar. Nach mehrjähriger Tätigkeit im gehobenen Dienst der Steuerverwaltung ist die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich. Das Fachwissen ist in Steuerberatungskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerabteilungen von Unternehmen gefragt, ein Wechsel bedeutet aber den Verzicht auf den Beamtenstatus.
Aufgaben
- Steuererklärungen prüfen und Steuerbescheide erlassen
- Belege anfordern und Rückfragen an Steuerpflichtige und Berater stellen
- Einsprüche gegen Bescheide bearbeiten und Entscheidungen begründen
- Betriebsprüfungen in Unternehmen vor Ort durchführen
- Rückstände beitreiben und Vollstreckungsmaßnahmen einleiten
- Steuerstraftaten und Ordnungswidrigkeiten ermitteln
- Zölle und Verbrauchsteuern festsetzen und Warenverkehr kontrollieren
- Sachgebiete leiten und Mitarbeitende fachlich anleiten
Voraussetzungen
- Fachhochschulreife oder Abitur
- Erfüllung der beamtenrechtlichen Voraussetzungen, meist deutsche oder EU-Staatsangehörigkeit und Altersgrenze
- Gesundheitliche Eignung nach amtsärztlicher Untersuchung
- Analytisches Denken und Verständnis für Zahlen und Gesetzestexte
- Sorgfalt und Ausdauer bei umfangreichen Unterlagen
- Sicheres schriftliches und mündliches Ausdrucksvermögen
- Durchsetzungsvermögen im Umgang mit Steuerpflichtigen
Wo man arbeitet
- Finanzämter der Länder
- Oberfinanzdirektionen und Landesämter für Steuern
- Hauptzollämter und Zollfahndungsämter
- Bundeszentralamt für Steuern
- Steuerberatungskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
- Steuerabteilungen von Unternehmen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein dreijähriges duales Studium für den gehobenen Dienst an einer Hochschule für Finanzen eines Landes oder an der Hochschule des Bundes für den Zoll. Es wechselt zwischen Theorie und Praxis im Amt und endet mit der Laufbahnprüfung und dem Abschluss Diplom-Finanzwirt (FH). Danach folgt meist die Übernahme ins Beamtenverhältnis auf Probe.
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