Koordinator für Arbeitssicherheit
Koordinatoren für Arbeitssicherheit planen und überwachen den Arbeitsschutz dort, wo mehrere Firmen gleichzeitig arbeiten, vor allem auf Baustellen und bei Instandhaltungsarbeiten in Industrieanlagen. Sie stimmen Abläufe ab, damit sich Gewerke nicht gegenseitig gefährden.
6 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Koordinator für Arbeitssicherheit verdient
4.900 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 3.600 bis 7.200 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.600 € | 4.100 € | 4.700 € | 49.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.200 € | 4.900 € | 5.800 € | 58.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.000 € | 5.900 € | 7.200 € | 70.800 € |
Das Gehalt hängt stark von Branche und Arbeitgeber ab: In der Chemie- und Energiebranche sowie in Konzernen mit Tarifbindung (etwa Tarifvertrag der chemischen Industrie oder ERA der Metall- und Elektroindustrie) liegt es deutlich höher als in kleinen Ingenieurbüros, im öffentlichen Dienst erfolgt die Eingruppierung meist nach TVöD oder TV-L in E10 bis E12. Selbstständige SiGeKos rechnen nach Honorar ab, ihr Einkommen schwankt mit Auftragslage und Zahl der betreuten Baustellen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Koordinator für Arbeitssicherheit?
Wenn auf einer Baustelle Rohbauer, Elektriker, Gerüstbauer und Dachdecker gleichzeitig tätig sind oder in einem Chemiewerk während eines Anlagenstillstands Dutzende Fremdfirmen anrücken, entstehen Gefahren, die keine Firma allein überblickt. Der Koordinator für Arbeitssicherheit sorgt dafür, dass diese Arbeiten sicher ineinandergreifen. Auf Baustellen ist er meist als Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator nach der Baustellenverordnung bestellt, kurz SiGeKo. Schon in der Planungsphase erstellt er den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, legt fest, wer wann wo arbeitet, wer Absturzsicherungen, Gerüste oder Baustraßen bereitstellt, und stellt die Unterlage für spätere Arbeiten am Bauwerk zusammen. Während der Ausführung geht er regelmäßig über die Baustelle, prüft Gerüste, Verkehrswege, Absperrungen und Schutzausrüstung, hält Koordinationsbesprechungen ab, schreibt Begehungsprotokolle und fordert Mängelbeseitigungen ein. In der Industrie koordiniert er Fremdfirmeneinsätze, prüft Arbeitserlaubnisscheine, unterweist Personal und klärt Unfälle und Beinaheunfälle mit auf. Ein großer Teil der Arbeit ist Schreibtischarbeit: Pläne lesen, Gefährdungen beurteilen, dokumentieren.
Wie wird man Koordinator für Arbeitssicherheit?
Eine eigene duale Ausbildung gibt es nicht. Der übliche Weg führt über einen technischen Grundberuf oder ein Studium. Für die Tätigkeit als SiGeKo verlangen die Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB 30) eine baufachliche Qualifikation, etwa als Bauingenieurin, Architekt, Bautechnikerin oder Meister, dazu mindestens zwei Jahre Berufserfahrung im Bau sowie Lehrgänge zu arbeitsschutzfachlichen und koordinatorspezifischen Kenntnissen. Diese Lehrgänge dauern je nach Anbieter einige Tage bis wenige Wochen. In Industriebetrieben ist häufig die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit gefragt, die über die Berufsgenossenschaften berufsbegleitend etwa ein bis zwei Jahre dauert. Quereinstiege gelingen vor allem Handwerksmeistern, Bauleiterinnen und Technikern mit langer Praxiserfahrung.
Was der Beruf verlangt
Die Rolle ist unbequem. Koordinatoren müssen Bauleitern, Polieren und Subunternehmern widersprechen, die unter Termindruck stehen und Sicherheitsvorgaben als Bremse empfinden. Wer Konflikte scheut, wird es schwer haben. Die Begehungen finden bei jedem Wetter statt, auf Gerüsten, in Baugruben und auf Dächern, mit Schutzausrüstung und viel Laufarbeit. Bei mehreren Baustellen gleichzeitig kommen lange Autofahrten hinzu. Anlagenstillstände in der Industrie bedeuten oft Schichtbetrieb, Wochenendarbeit und Zwölfstundentage über Wochen. Hinzu kommt Verantwortung: Nach einem schweren Unfall wird geprüft, ob die Koordination ausreichend war, und Fehler können haftungs- und strafrechtliche Folgen haben. Die Dokumentationspflichten sind umfangreich und verlangen Sorgfalt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil. Die Baustellenverordnung schreibt die Koordination bei vielen Bauvorhaben vor, und Industrieunternehmen investieren zunehmend in ein strukturiertes Fremdfirmenmanagement. Erfahrene Fachleute sind knapp, weil die Kombination aus Baupraxis und Arbeitsschutzwissen selten ist. Viele SiGeKos arbeiten selbstständig oder in Ingenieurbüros und rechnen auf Honorarbasis ab. Entwicklungswege führen zur Leitung einer Arbeitsschutzabteilung, zum HSE-Manager in Konzernen, zum Sachverständigen oder in die Aufsichtsdienste der Berufsgenossenschaften und Landesbehörden.
Aufgaben
- Sicherheits- und Gesundheitsschutzpläne für Bauvorhaben erstellen und fortschreiben
- Baustellen und Anlagen begehen und Mängel protokollieren
- Arbeitsabläufe mehrerer Firmen zeitlich und räumlich abstimmen
- Koordinationsbesprechungen mit Bauleitung und Gewerken leiten
- Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitserlaubnisse prüfen
- Beschäftigte und Fremdfirmen zu Sicherheitsregeln unterweisen
- Unfälle und Beinaheunfälle untersuchen und Maßnahmen ableiten
- Unterlage für spätere Arbeiten am Bauwerk zusammenstellen
Voraussetzungen
- Baufachliche oder technische Qualifikation, etwa Studium im Bauingenieurwesen, Techniker oder Meister
- Mehrjährige Berufserfahrung in Bau oder Industrie
- SiGeKo-Lehrgänge nach RAB 30 oder Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Sicherer Umgang mit Vorschriften wie Arbeitsschutzgesetz, Baustellenverordnung und DGUV-Regeln
- Durchsetzungsvermögen und Gelassenheit in Konflikten
- Schwindelfreiheit und körperliche Belastbarkeit für Begehungen
- Führerschein Klasse B
Wo man arbeitet
- Ingenieur- und Planungsbüros
- Bauunternehmen
- Chemie-, Energie- und Industriebetriebe
- Öffentliche Bauverwaltungen
- Selbstständige Tätigkeit als SiGeKo
- Arbeitsschutzdienstleister
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Studium im Bauingenieurwesen oder Architektur beziehungsweise eine Ausbildung zum Bautechniker oder Meister, gefolgt von mindestens zwei Jahren Berufspraxis. Danach folgen die SiGeKo-Lehrgänge nach RAB 30, die wenige Tage bis einige Wochen dauern und mit einem Zertifikat abschließen. Für Industrieeinsätze kommt oft die ein- bis zweijährige berufsbegleitende Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit hinzu.
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