Produktionsmitarbeiter in der Sterilherstellung
Produktionsmitarbeiter in der Sterilherstellung füllen und verarbeiten im Reinraum Arzneimittel, die keimfrei sein müssen, etwa Injektionslösungen, Infusionen und Augentropfen. Sie bedienen Abfüll- und Sterilisationsanlagen und dokumentieren jeden Schritt nach den Regeln der Guten Herstellungspraxis (GMP).
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Produktionsmitarbeiter in der Sterilherstellung verdient
3.500 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 2.700 bis 4.800 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.700 € | 3.100 € | 3.600 € | 37.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.000 € | 3.500 € | 4.000 € | 42.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.600 € | 4.100 € | 4.800 € | 49.200 € |
Am stärksten hängt das Gehalt davon ab, ob der Betrieb nach dem Entgelttarifvertrag der chemischen Industrie (IG BCE und BAVC) bezahlt; tarifgebundene Pharmahersteller zahlen deutlich mehr als kleinere Lohnhersteller ohne Tarif, und Gelernte werden höher eingruppiert als Angelernte. Schicht-, Nacht- und Wochenendzuschläge kommen hinzu und können das Monatseinkommen spürbar erhöhen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Produktionsmitarbeiter in der Sterilherstellung?
Im Mittelpunkt steht die Herstellung von Arzneimitteln, die direkt ins Blut, ins Gewebe oder ins Auge gelangen und deshalb frei von Keimen und Partikeln sein müssen. Dazu gehören Ampullen, Vials, Fertigspritzen, Infusionsbeutel und Augentropfen. Die Arbeit findet in Reinräumen statt, deren Luft gefiltert und überwacht wird. Vor jedem Betreten steht ein festgelegtes Umkleideverfahren mit Overall, Haube, Mundschutz, sterilen Handschuhen und Überschuhen.
Zum Alltag gehört das Einrichten und Bedienen von Abfüllanlagen, Isolatoren und RABS-Anlagen, das Sterilisieren von Behältern und Anlagenteilen im Autoklaven oder Heißlufttunnel, das Sterilfiltrieren von Lösungen und oft auch das Beschicken von Gefriertrocknern. Während der Abfüllung werden Füllmengen kontrolliert, Proben gezogen und Umgebungsmessungen auf Keime durchgeführt. Nach jedem Ansatz werden Anlagen gereinigt und desinfiziert. Jeder Handgriff wird im Herstellprotokoll festgehalten, Abweichungen müssen sofort gemeldet werden.
Wie wird man Produktionsmitarbeiter in der Sterilherstellung?
Der klassische Weg ist die duale Ausbildung zum Pharmakanten, die dreieinhalb Jahre dauert und mit der Prüfung vor der IHK endet. Auch Chemikanten, Produktionsfachkräfte Chemie oder Fachkräfte aus der Lebensmittel- und Verpackungstechnik werden eingestellt. Viele Betriebe nehmen zudem Quereinsteiger ohne einschlägige Ausbildung und lernen sie über mehrere Wochen bis Monate an. Bevor jemand in der aseptischen Zone arbeiten darf, muss er GMP-Schulungen absolvieren, das Umkleiden unter Aufsicht nachweisen und an einer Prozesssimulation, dem sogenannten Media Fill, erfolgreich teilnehmen. Diese Qualifizierung wird regelmäßig wiederholt.
Was der Beruf verlangt
Die Reinraumkleidung wird über Stunden getragen, darunter wird es warm, und jede Pause bedeutet erneutes Aus- und Umkleiden. Schmuck, Make-up, künstliche Fingernägel und lange Bärte sind nicht erlaubt. Bewegungen im Reinraum müssen langsam und kontrolliert sein, was über eine ganze Schicht ermüdet. Die Arbeit ist stark geregelt und wiederholt sich häufig, eigene Spielräume gibt es kaum. Gleichzeitig ist die Verantwortung hoch: Ein Fehler kann eine ganze Charge unbrauchbar machen oder Patienten gefährden, und Abweichungen werden untersucht. Gearbeitet wird fast immer im Schichtdienst, in vielen Betrieben im Drei-Schicht- oder vollkontinuierlichen Betrieb mit Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten. Wer zu Hautproblemen neigt, kann mit Desinfektionsmitteln und Handschuhen Schwierigkeiten bekommen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und eher steigend. Biotechnologische Arzneimittel, Impfstoffe und Fertigspritzen werden fast immer steril hergestellt, und mehrere Hersteller haben in Deutschland neue Abfüllkapazitäten aufgebaut. Erfahrene Kräfte mit aseptischer Qualifikation sind gesucht, weil die Einarbeitung lange dauert. Mögliche Entwicklungsschritte sind Anlagenführer, Schichtführer oder Teamleiter. Mit einer Weiterbildung zum Industriemeister Pharmazie oder zum Techniker öffnen sich Wege in die Produktionsplanung, die Validierung oder die Qualitätssicherung.
Aufgaben
- Abfüll-, Verschließ- und Sterilisationsanlagen einrichten und bedienen
- Reinraumkleidung nach festgelegtem Verfahren anlegen und aseptisch arbeiten
- Lösungen sterilfiltrieren und Behälter im Autoklaven oder Heißlufttunnel sterilisieren
- Füllmengen kontrollieren und Inprozessproben ziehen
- Keimmessungen an Oberflächen, Handschuhen und in der Raumluft durchführen
- Anlagen und Reinräume reinigen und desinfizieren
- Herstellprotokolle nach GMP vollständig ausfüllen und Abweichungen melden
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als Pharmakant, Chemikant oder in einem technischen Beruf, alternativ Bereitschaft zur Anlernung
- Erfolgreiche GMP-Schulung und aseptische Qualifizierung durch Media Fill
- Bereitschaft zu Schichtarbeit einschließlich Nacht- und Wochenenddiensten
- Sorgfalt und Disziplin beim Einhalten genauer Arbeitsanweisungen
- Gute Deutschkenntnisse zum Lesen und Ausfüllen von Dokumentation
- Körperliche Belastbarkeit für langes Stehen in Schutzkleidung und hautverträglicher Umgang mit Desinfektionsmitteln
Wo man arbeitet
- Pharmazeutische Hersteller
- Biotechnologie-Unternehmen
- Lohnhersteller und Abfüller für Arzneimittel
- Impfstoffhersteller
- Krankenhausapotheken mit Sterilherstellung
Der Weg in den Beruf
Üblich ist die dreieinhalbjährige duale Ausbildung zum Pharmakanten mit IHK-Abschluss. Quereinsteiger werden in vielen Betrieben über mehrere Wochen bis Monate angelernt und müssen vor dem Einsatz im Reinraum eine GMP-Schulung und eine aseptische Qualifizierung bestehen.
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