Pflegefachkraft Psychiatrie und Psychotherapie
Pflegefachkräfte in der Psychiatrie und Psychotherapie begleiten Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen, Suchterkrankungen oder Demenz. Sie verbinden Grundpflege und medizinische Versorgung mit Beziehungsarbeit, Krisenbegleitung und Alltagstraining.
4 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Pflegefachkraft Psychiatrie und Psychotherapie verdient
3.900 Euro brutto im Monat sind der mittlere Verdienst mit Berufserfahrung. Über alle Erfahrungsstufen reicht die Spanne von 3.000 bis 5.300 Euro.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.000 € | 3.400 € | 3.700 € | 40.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.500 € | 3.900 € | 4.300 € | 46.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.000 € | 4.500 € | 5.300 € | 54.000 € |
In kommunalen und Landeskliniken gilt meist der TVöD-P oder der TV-L, bei kirchlichen Trägern die AVR von Caritas oder Diakonie; private Klinikketten zahlen teils nach Haustarif und oft weniger. Die Fachweiterbildung Psychiatrie hebt die Eingruppierung in der Regel um eine Entgeltgruppe, hinzu kommen Schicht-, Nacht- und Psychiatriezulagen, die hier nicht eingerechnet sind.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Pflegefachkraft in der Psychiatrie und Psychotherapie?
Die Arbeit findet meist auf geschützten oder offenen Stationen psychiatrischer Kliniken statt, in Tageskliniken, Institutsambulanzen oder in der ambulanten psychiatrischen Pflege zu Hause. Pflegefachkräfte führen Aufnahmegespräche, beobachten Stimmung, Antrieb und Verhalten der Patientinnen und Patienten und dokumentieren Veränderungen. Sie stellen und verabreichen Medikamente, achten auf Nebenwirkungen, messen Vitalwerte und versorgen körperliche Begleiterkrankungen. Ein großer Teil des Tages besteht aus Gesprächen: Bezugspflegegespräche, Entlastung in akuten Krisen, Einschätzung von Suizidalität. Dazu kommen Gruppenangebote wie Morgenrunden, Genusstraining oder Ausgänge sowie das Üben von Alltagsfertigkeiten wie Einkaufen, Tagesstruktur oder Körperpflege. In der Suchtmedizin begleiten sie Entzüge, in der Gerontopsychiatrie Menschen mit Demenz. Bei Eskalationen sind sie an Deeskalation und, wenn rechtlich angeordnet, an Fixierungen und deren lückenloser Überwachung beteiligt. Die Arbeit geschieht eng abgestimmt mit Ärzten, Psychologinnen, Sozialarbeit und Ergotherapie.
Wie wird man Pflegefachkraft in der Psychiatrie und Psychotherapie?
Grundlage ist die dreijährige generalistische Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, alternativ ein primärqualifizierendes Pflegestudium. Wer den praktischen Vertiefungseinsatz in einer psychiatrischen Klinik absolviert, findet leichter den Einstieg. Viele Kliniken stellen auch Fachkräfte aus anderen Bereichen ein und arbeiten sie ein. Die eigentliche Spezialisierung ist die berufsbegleitende Fachweiterbildung Psychiatrische Pflege, die meist rund zwei Jahre dauert und landesrechtlich geregelt ist. Ergänzend gibt es Weiterbildungen in Deeskalationstraining, Suchtkrankenpflege oder Adherence-Therapie. Ein Quereinstieg ohne Pflegeausbildung ist als Fachkraft nicht möglich, wohl aber über eine Pflegehelferausbildung als erster Schritt.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist weniger körperlich, dafür seelisch stark fordernd. Pflegekräfte erleben Suizidversuche, Aggression, Beleidigungen und gelegentlich körperliche Übergriffe. Sie müssen Nähe aufbauen und zugleich Grenzen halten, auch gegenüber Menschen, die nicht behandelt werden wollen. Zwangsmaßnahmen gegen den Willen von Patienten sind ethisch belastend. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Dienst mit Nachtdiensten, Wochenenden und Feiertagen, nur in Tageskliniken und Ambulanzen gibt es geregelte Tageszeiten. Viele Stationen sind knapp besetzt, was Gesprächszeit kostet und Überstunden erzeugt. Fortschritte zeigen sich oft langsam, Rückfälle gehören zum Alltag. Supervision und Teamrückhalt sind wichtig, um auf Dauer gesund zu bleiben.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte steigen. Psychische Erkrankungen werden häufiger diagnostiziert, und die Personalvorgaben der PPP-Richtlinie verpflichten Kliniken zu Mindestbesetzungen, die vielerorts schwer zu erfüllen sind. Arbeitslosigkeit ist in diesem Feld kaum ein Thema. Entwicklungswege führen über die Fachweiterbildung zur Stationsleitung oder Pflegedienstleitung, in die stationsäquivalente Behandlung im häuslichen Umfeld, in die Praxisanleitung oder über ein Studium in Pflegepädagogik, Pflegemanagement oder Advanced Nursing Practice mit Schwerpunkt psychische Gesundheit.
Aufgaben
- Aufnahmegespräche führen und Pflegeplanung erstellen
- Medikamente stellen, verabreichen und Nebenwirkungen beobachten
- Bezugspflegegespräche und Krisengespräche führen
- Suizidalität und Eigen- oder Fremdgefährdung einschätzen
- Gruppenangebote und Alltagstraining anleiten
- Entzüge begleiten und Vitalwerte überwachen
- Deeskalieren und angeordnete Fixierungen überwachen
- Verlauf dokumentieren und im Team übergeben
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann oder Pflegestudium
- Staatliche Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung
- Psychische Stabilität und Fähigkeit zur Abgrenzung
- Gesprächsführung und Geduld im Umgang mit schwierigem Verhalten
- Bereitschaft zu Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst
- Teilnahme an Deeskalationstrainings
- Erweitertes Führungszeugnis und Masernschutznachweis
Wo man arbeitet
- Psychiatrische Fachkliniken
- Psychiatrische Abteilungen von Allgemeinkrankenhäusern
- Tageskliniken und Institutsambulanzen
- Ambulante psychiatrische Pflegedienste
- Suchtkliniken und Entzugsstationen
- Forensische Kliniken im Maßregelvollzug
Der Weg in den Beruf
Der übliche Weg ist die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit staatlicher Prüfung, idealerweise mit Vertiefungseinsatz in der Psychiatrie. Danach folgt berufsbegleitend die rund zweijährige Fachweiterbildung Psychiatrische Pflege, die mit einer staatlich anerkannten Fachbezeichnung abschließt.
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